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Spurensuche in Australien
Rostocker gilt als Mitbegründer des „Garden State“ Victoria
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Die Stadt Melbourne ehrt noch heute ein Kind der Stadt Rostock, das im 19. Jahrhundert die Entwicklung des australischen „Garden State“ Victoria entscheidend mitbestimmte.

Zweiundzwanzigjährig trieb sein Gesundheitszustand den Apotheker und studierten Botaniker Ferdinand Jakob Heinrich von Müller (1825-1896) in das wärmere australische Klima. Sein Forschungsgeist und Interesse an der exotischen Pflanzenwelt brachten ihm 1853 in Melbourne die Stellung des Regierungsbotanikers ein, die er bis zu seinem Tode gewissenhaft ausübte. Er sammelte, bestimmte und forschte Zeit seines Lebens – 43.000 km soll er in, wie er selbst sagte, „gefährlichsten und gottverlassensten Gegenden“ zurückgelegt haben, um 2.000 Arten zu finden, davon 800 unbekannte.

Durch das schmiedeeiserne Eingangstor der Royal Botanic Gardens in Melbourne kann man noch heute in die Welt Ferdinand von Müllers eintreten. Ein riesiger Park tut sich auf mit so vielen Pflanzen, dass man auf den ersten Blick sein großes Verdienst kaum erahnen kann. Vor dem National Herbarium findet man den großen Botaniker höchst selbst – in Bronze gegossen, darunter eine Gedenktafel: „This plaque commemorates the life work of one of the 'fathers' of the garden state ... the founder of the national herbarium of victoria.“

Hier bewacht er noch immer die kostbare Pflanzensammlung, die er vor anderthalb Jahrhunderten ins Leben rief. Ebenso viele Schätze wie im Herbarium erwarten den Besucher auch im Park. An jeder Pflanze mit unaussprechlichem lateinischen Namen mag sich der interessierte Spaziergänger vorstellen, wie der Forscher sie im Dschungel oder im kargen australischen Outback einsammelte, bestimmte und ihnen sorgfältig ein Plätzchen in seinem einzigartigen Herbarium einrichtete.

40 Bände veröffentlichte der leidenschaftliche Botaniker in englischer, deutscher und lateinischer Sprache. Man verdankt ihm die Verbreitung nützlicher Bäume in Australien. Außerdem erfand Müller ein Verfahren zur Destillierung von Öl aus Eukalyptusblättern, von dem die Medizin noch heute profitiert. Um diesen Erfolg zu würdigen, verlieh ihm die Universität seiner Vaterstadt in absentia sogar den Doktor der Medizin.

Während seiner Amtszeit als Direktor des Botanischen Gartens in Melbourne oblag dem Forscher übrigens außerdem die Obhut über den Zoologischen Garten in Melbourne.

Anlässlich seines 100. Todestages des verdienten Barons ist in Australien und in Deutschland je eine Sonderbriefmarke herausgegeben worden. Seit 1904 verleiht die Australasian Association for the Advancement of Science außerdem alle zwei Jahre eine Müller-Gedenkmünze für herausragende naturwissenschaftliche Leistungen. Auch auf der australischen Landkarte sind seine Spuren zu finden, etwa am Mount Mueller oder Mueller Lake.

Quellen und Links:

Guntau, Martin (Hg.): Mecklenburger im Ausland. Edition Temmen, Bremen 2001
Royal Botanic Gardens Melbourne

 

Fotos:
Büste von Ferdinand von Müller, Royal Botanic Gardens Melbourne

Gedenktafel für Müller, Royal Botanic Gardens

Flora und Fauna in den Royal Botanic Gardens

(Fotos: Pescht)

 
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