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Im Silberkondor ans Ende der Welt
Pilot mit mecklenburgischen Wurzeln erforscht Feuerland
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Er fühlte sich als Mecklenburger und bezeichnete Schwerin als seine Heimatstadt: der Flugpionier, Seemann, Schriftsteller, Filmemacher und Forscher Gunther Plüschow (1886 – 1931), der als erster Mensch mit einem in Warnemünde gebauten Doppeldecker, dem legendären SILBERKONDOR , die traumhafte Landschaft Feuerlands überflog.

In München geboren, verbrachte er die ersten Jahre  seiner Kindheit in Rom und zog 1895 mit seiner Familie nach Mecklenburg, dem Ursprung der Plüschows: Großvater Eduard war ein uneheliches (aber anerkanntes) Kind des Erbgroßherzogs Friedrich-Ludwig von Mecklenburg-Schwerin.

Mit 10 Jahren begann er, einer Familientradition folgend, eine militärische Ausbildung und fühlte sich eingesperrt  in der Kadettenanstalt. Er sehnte sich nach der Freiheit Feuerlands, das er von Fotos und Erzählungen kannte.

Als Flieger tat er Dienst in der Deutschen Kaiserlichen Marine in der Handelskolonie Tsingtau (China). Als japanische Truppen die Stadt 1914 belagerten, gelang ihm im November mit seinem Flugzeug der spektakuläre Ausbruch aus der Festung. Nach neunmonatiger Flucht durch China, die USA und England traf er im Juli 1915 zu Hause ein. Als legendärer „Flieger von Tsingtau“ wurde er damals weit über die Grenzen Deutschlands bekannt.
Mit 41 Jahren, im November 1927, brach Plüschow zu seinem Traumziel Feuerland auf. Ein nach Plänen eines hochseetauglichen Fischkutters gebautes Forschungsschiff brachte den Abenteurer und sein Team mit Spezialisten ans Ende der Welt. Ebenfalls auf dem Weg: ein Doppeldecker, das Wasserflugzeug Heinkel HD 24 W, gut verpackt auf einem Dampfer und betreut vom Flugzeugingenieur Ernst Dreblow. Gemeinsam mit ihm fügte Plüschow im Dezember 1928 die Einzelteile in einer Werft in Punta Arenas in Chile zusammen.

Ende 1928 hob der Pilot ab zu seinem ersten großen Flug von Punta Arenas, Chile, nach Ushuaia,  Argentinien – über die Große Feuerlandinsel. Mit an Bord hat er übrigens einen Postsack und liefert die erste Luftpost zwischen den beiden Städten aus.

Plüschow und sein Bordingenieur Dreblow waren die ersten Menschen, die in ihrem SILBERKONDOR über die Darwin-Kordillere auf der großen Feuerlandinsel, das Kap Hoorn und die Torres del Paine in Patagonien schwebten. Fasziniert von der überwältigenden Schönheit des patagonischen Inlandeises, brachten die Forscher zum ersten Mal Fotos und Filmmaterial von diesen bis dahin unerforschten Gegenden Südamerikas mit. Das Buch „Silberkondor über Feuerland“ wurde ein früher Bestseller und vermittelte vielen begeisterten Lesern erstmalig ein Bild von Feuerland und Patagonien.

Um letzte weiße Flecken auf der Landkarte zu füllen, startete Plüschow, nur begleitet von Dreblow, im Juli 1930 erneut nach Südamerika. Aber diesmal brachte der Silberkondor sie nicht zurück. Tragisch stürzten der Forscher und sein Begleiter am 28. Januar 1931 mit dem Doppeldecker in die eisigen Fluten des Rico-Sees, argentinisch Patagonien.

Chile und Argentinien gedenken Plüschows noch heute. Zuletzt ehrte man den Flugpionier, indem man am 12. Dezember 2006 in Punta Arenas, Chile, ein Platz nach ihm benannte, und im Oktober 2007 fand im Argentinischen Parlament eine Feierstunde ihm zu Ehren statt.

In Deutschland fühlt sich der Freundeskreis GUNTHER PLÜSCHOW dem Andenken an den Flugpionier mit mecklenburgischen Wurzeln verpflichtet. Durch Vorträge, Zeitungsartikel und Ausstellungen erinnern die Mitglieder an das Leben und die Taten dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit.

 

Quellen und Links:

Ehlers, Gerhard H.: Gunther Plüschow. Odenthal, Dezember 2006

Ehlers, Gerhard H.: Der Silberkondor über Feuerland. In: NNN, 17.01.2006
Webseite Gunther Plüschow

 

Fotos (Archiv Gerhard H. Ehlers, Odenthal):

Bild 1:
Portrait Gunther Plüschow 1930, vor seiner zweiten Feuerland-Expedition
Bild 2:
Gunther Plüschow (vorn) bei der Montage des Silberkondor, des Heinkel - Doppeldeckers HD 24 W auf dem Gelände einer Schiffswerft in Punta Arenas, Dezember 1928
Bild 3:
Heinkel Doppeldecker HD 24 W im Hafen von Punta Arenas, Dezember 1928, Gunther Plüschow links, auf dem Schwimmer stehend
Bild 4:
Heinkel-Doppeldecker HD 24 W in Feuerland  

 
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