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Pendant für Chicagoer Reuter-Statue
Ehrung des Heimatdichters nach amerikanischem Vorbild
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Chicago in den USA ehrt den Mecklenburger Heimatdichter Fritz Reuter und seine Wirkungsstätte Rostock nicht? Das konnte der Rostock-Warnemünder Shanty-Chor e. V.  „De Klaashahns“ nicht auf sich sitzen lassen. Eigentlich wollten die Sänger auf ihrer Chicago-Reise die Amerikaner mit deren mecklenburgischen Wurzeln vertraut machen, profitierten aber auch umgekehrt mit einer brillianten Idee.

„De Klaashahns“ sind Rostocks musikalische Visitenkarte. Seit 1964 überzeugen die Nordlichter in Seemannskluft mit ihren Liedern Zuhörer im In- und Ausland von der Einmaligkeit der Ostseeküste. „Wir wollten auch die Nachfahren der mecklenburgischen Auswanderer in Chicago davon zu überzeugen, dass die deutsche Kultur nicht gleichzusetzen ist mit Lederhosen und Seppelhut“, erinnert sich Klaashahns-Vorsitzender Rüdiger Noll. Aber nicht nur die Amerikaner entdeckten ihre eigene Geschichte neu. Auch die Sangeskollegen kamen einem offenbar vernachlässigten Vorfahr auf die Spur. Verblüfft entdeckten die Mecklenbuger Jungs im Chicagoer Humboldt-Park ein Denkmal ihres Heimatdichters Fritz Reuter (1810-1874). Hier steht er übrigens nicht weit von seinen bekannteren deutschen Dichterkollegen Goethe oder Schiller. Platziert wurde er im 19. Jahrhundert auf Initiative von heimatverbundenen mecklenburgischen Auswanderern, die sich die Plastik offenbar vom Munde absparten.

Reuter hatte die Stadt Rostock, Heimat der Klaashahns, in seinen Werken anerkennend verewigt. Er lobte die Hafenstadt als das neue Athen, Warnemünde als ihr Piräus (Olle Kamellen VII , 1868). Dies ließ die Klaashahn-Crew darüber nachgrübeln, dass die hochgelobte Hansestadt den  Dichter zwar mit Straßennamen und Stadtteilbezeichnungen, aber nicht mit einem Monument ehrt.

Diese Einsicht verstand ganz besonders Chormitglied Peter Struck als eine Mission und er nahm ein außergewöhnliches Projekt in Angriff. Zurück an der heimatlichen Ostsee gründete er den Arbeitskreis Fritz-Reuter-Plastik und sammelte Stimmen und Geld für die Errichtung einer Reuter-Statue in Rostock, ähnlich dem Vorbild in Chicago.

„Es gab viele Dinge zu bedenken“, bekennt Struck. Man brauchte Sponsoren, Fachleute und Helfer, einen Bildhauer, einen geeigneten Platz für das Denkmal und einen passenden Termin. „Wir hatten unglaublich viel Unterstützung“, freut sich der Shanty-Sänger, „und natürlich haben wir auch selbst für das Denkmal gesungen und gesammelt.“

Der Arbeitskreis rief einen künstlerischen Wettbewerb aus, an dem sich 13 einheimische Bildhauer beteiligten. Eine Jury befand den Entwurf einer etwas überlebensgroßen Statue des Künstlers Thomas Jastram für den besten. Der Künstler aus einer bekannten Rostocker Künstlerfamilie bastelte und baute und seine Vorlage wurde in Bronze umgesetzt. Nach zwei Jahren harter Team-Arbeit und mit der Hilfe großzügiger Sponsoren wurde das Reuter-Abbild zu seinem 130. Todestag im Rostocker Stadtteil Reutershagen auf den Sockel gehievt und am 9. Juli 2004 feierlich enthüllt.

Der bronzene Fritz Reuter hat seinen Blick seit dem auf Alt-Reutershagen gerichtet, ein Viertel, in dem viele seiner literarischen Figuren in Form von Straßennamen noch präsent sind. Der Dichter hatte großen Anteil an der Wiederbelebung der niederdeutschen Sprache im 19. Jahrhundert. Seine Werke fanden aber auch in anderen Sprachen und Kulturen Anerkennung, einige wurden sogar ins Japanische übersetzt.

Quelle und Link:
Shantychor e. V. "De Klaashahns"

Fotos:

De Klaashahns vor dem Fritz-Reuter-Denkmal in Rostock-Reutershagen
Gruppenfoto der Klaashahns vor Chicagoer Skyline

 
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