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Dem Schwarzen Kontinent verfallen
Paul Pogge avancierte vom Großwildjäger zum Afrikanisten
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Gut, Geld, gesellschaftliche Anerkennung – Paul Pogge ließ all seinen Wohlstand in Mecklenburg hinter sich, um sich der Erforschung Afrikas zu widmen. Anfangs von schlichter Jagdlust getrieben, zog der Schwarze Kontinent den Abenteurer so in seinen Bann, dass Pogge mit Entdeckungseifer zum Pflanzensammler, Kartograph und Kulturmissionar avancierte.

Der Afrikaforscher verbrachte insgesamt etwa sechs Jahre im südlichen Kongobecken. 1864 brach er zum ersten Mal nach Südafrika auf, um an einer Großwildjagd teilzunehmen, von der er 1866 zurückkehrte. Der Kontinent ließ ihn von da an nicht mehr los und er schloss sich 1874 einer Expedition des Vogel- und Insektenforschers Alexander von Homeyer an, die bis in den Süden der heutigen Republik Kongo Handelswege erschließen wollte. Seine Begleiter erkrankten schwer und so zog Pogge 1875 allein in die Residenz des afrikanischen Fürsten Muata Jamwo ein. Von hier aus unternahm er Tagesreisen und bereiste das Kongobecken von Westen aus auf der Suche nach geeigneten Wegen. Als er 1877 nach Deutschland zurückkehrte, hatte er umfangreiches Material im Gepäck. Sein Reiseerfolg in Form von kartografischen, volkskundlichen und botanischen Informationen fand nicht nur in Deutschland, sondern auch in England, Frankreich und Belgien Anerkennung. In ganz Europa schätzte man seine wertvolle Sammlung von 400 Pflanzenarten, denn von früheren Expeditionen waren meist weit weniger Exemplare mitgebracht worden. Diese und andere Exponate wie afrikanische Gebrauchs- und Kunstgegenstände überließ der Forscher damals dem königlich-preußischen Museen in Berlin. Nach seiner Rückkehr 1876 ließ sich Pogge in der Hansestadt Rostock nieder, wo er an der Herausgabe seiner Tagebuchaufzeichnungen arbeitete.

In seinen zu Papier gebrachten Schriften berichtete er nicht nur über Flora, Fauna oder Klima des neu entdeckten Landes, sondern auch über die faszinierend fremden Kulturen. Im Gegensatz zu den späteren Kolonialherren, teilten Pogge und Homeyer die Achtung vor den Sitten und Bräuchen der afrikanischen Ureinwohner und ehrten diese wie ihre europäischen Mitmenschen.

Während seiner zweiten Expedition, beginnend in Luanda im heutigen Angola, an der Seite des Afrikaforschers Herrmann von Wissmann planten Pogge und seine Gefährten eine Station einzurichten, um Forschung und Handel neue Möglichkeiten einzuräumen – in, so Pogge,  „taktvoller Weise und die Rechte der Eingeborenen schonend“. Während Wissmann einen anderen Weg bis zum Indischen Ozean einschlug, folgte Pogge dem ursprünglichen Plan und überwachte die eingerichtete Station in der Nähe des heutigen Kananga über ein Jahr lang. Diese Zeit der Entbehrung nagte so sehr an Pogges Gesundheit, dass er den beschwerlichen Rückmarsch durch Sümpfe, unwegsame Wälder und Flüsse nach Luanda antrat. Hier erlag der Forscher am 16. März 1884 einem Lungenleiden, nur wenige Tage vor seiner Weiterreise nach Europa.

Viele Zeitungen berichteten vom tragischen Tod des Afrikareisenden. Danach gerieten Pogges Verdienst aber allmählich in Vergessenheit, obwohl sich der Forscher, anders als seine Mitstreiter, offenbar für Handels- und Kulturbeziehungen zwischen Afrika und Europa eingesetzt hatte. Kein anderer Wissenschaftler hatte bis zu jener Zeit so lange wie Pogge allein bei afrikanischen Völkern gelebt.

Fälschlicherweise wurde der Entdecker nach 1945 als Rassist abgestempelt und man entfernte die im Rostocker Rosengarten aufgestellte Büste. Heute thront Pogge dank der Initiative beherzter Bürger wieder an der alten Stelle. Das Ethnologische Museum in Berlin hütet übrigens immer noch einige der mitgebrachten Schätze Paul Pogges. Etwa 60 Objekte sind in der Sammlung noch vorhanden, drei Objekte haben einen festen Platz in der Dauerausstellung „Kunst aus Afrika“. Auch im alten Gutshaus in Ziersdorf bei Teterow, Pogges Geburtshaus, ist eine ständige Ausstellung zu sehen.

Quellen und Links: 
Pogge von Strandmann, Hartmut:
Ins tiefste Afrika. Trafo Verlag. Berlin 2004

Thünen-Museum Tellow

 

Fotos:

Objekte aus Paul Pogges Sammlung, zu sehen in der Ausstellung "Kunst aus Afrika" im Ethnologischen Museum - Staatliche Museen zu Berlin

 

(Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Bild 1: Claudia Obrocki, Bild 2: Martin Franke, Bild 3: Erik Hesmerg)

 
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