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Gefallener Held der Lüfte
Otto Lilienthal aus Anklam legte Grundstein für moderne Luftfahrt
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Eine riesige hölzerne Fledermaus gleitet durch die Luft. Auf dem Boden tobt die Menge und bangt gleichzeitig um den Himmelsstürmer, der das Halsbrecherische wagt: Luftfahrtpionier Otto Lilienthal (1848-1896) testet einen seiner Flugapparate.

Als erster Mensch erprobte Lilienthal von 1891 bis 1896 mehrfach erfolgreich den Gleitflug mit insgesamt 21 selbst erbauten Fluggeräten. Alle Apparaturen entsprangen der Feder des Flugpioniers, der mit den Erfindungen sein Leben lang versuchte, einen alten Menschheitstraum zu verwirklichen: den Traum vom Fliegen. Von einem eigens aufgeschütteten Hügel aus manövrierte er die Prototypen durch die Luft, gesteuert durch die Verlagerung seines eigenen Körpergewichts. Eine Methode, mit der Piloten noch heute ihre modernen Hängegleiter steuern.

Der gebürtige Anklamer war studierter Maschinenbauer und Erfinder. Er ertüftelte zahlreiche Maschinen, darunter viele Dampfkessel und -maschinen, meldete 25 Patente an, vier von ihnen auf seine Flugobjekte. Die Geräte fertigte er in seiner technischen Werkstatt in Berlin. Lehrmeister des Himmelsstürmers waren die Vögel selbst, die er schon in seiner Heimat Vorpommern aufmerksam beobachtete. Er studierte den Flug der Störche und übertrug seine Beobachtungen auf das Reißbrett. Er baute zahlreiche Apparaturen zur Messung von Druck und Luftverhältnissen. 23 Jahre lang experimentierte Lilienthal, bevor er 1891 sein erstes selbst gebautes Flugzeug ausprobierte. Mit der ständigen Verbesserung seiner Apparaturen legte er den Grundstein für die heutige Luftfahrt.

In zahlreichen Publikationen und Artikeln veröffentlichte der Flugpionier seine Erkenntnisse. Er empfing in- und ausländische Flugpioniere zu Fachgesprächen in Berlin, darunter Samuel Pierpont Langley aus den USA, Nikolai Jegorowitsch Schukowski aus Russland, Percy Pilcher aus England und Wilhelm Kress aus Österreich. Übersetzungen seiner Beiträge erschienen in den USA, in Frankreich und Russland. Das In- und Ausland nahm auch regen Anteil an den Flugmanövern, sensationelle Flugfotografien erschienen in wissenschaftlichen und populären Veröffentlichungen vieler Länder.

Lilienthal gründete 1881 eine Maschinenfabrik, beschäftigte später 60 Mitarbeiter. Nicht nur auf technischer Ebene war der Unternehmer innovativ, er engagierte sich ebenfalls künstlerisch und sozial. Seine Mitarbeiter etwa beteiligte er am Gewinn. Und den Traum vom Flugzeug verstand er als Mittel zur Völkerverständigung und zum ewigen Frieden.

Ein jähes Ende fand Lilienthals Traum am 9. August 1896 bei Stölln am Gollenberg. Bei einem Absturz zog er sich tödliche Verletzungen zu. Nach dem Tod des Visionärs arbeiteten viele Flugpioniere nach seinen Methoden und Grundlagen weiter. Im Dezember 1903 erprobten die Konstrukteure Wright das erste erfolgreiche Motorflugzeug.

Wer die Begeisterung für waghalsige Flugmanöver mit den fledermausartigen Apparaturen nachempfinden möchte, den lädt das Otto-Lilienthal-Museum in Anklam ein, bei einem Streifzug durch Lilienthals Erfinder-Welt auch die eigene Fantasie zu beflügeln. Original-Flugapparate Lilienthals sind übrigens auch in Museen in Wien, Washington, Moskau, London und München zu bewundern.

Quellen und Links:
Permien, Torsten: Visionen aus der Vergangenheit. Oekom Verlag München 2007

Otto Lilienthal. Fliegen wie ein Vogel.

Digitale Publikation des Otto-Lilienthal-Museums Anklam

 
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