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Der Mann mit der goldenen Nase
Astronom Tycho Brahe kommt in Rostock zu seinem Markenzeichen
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Die Rostocker Universität brachte einen Wissenschaftler hervor, der auf dem Gebiet der Astronomie den richtigen Riecher hatte, im wahrsten Sinne des Wortes allerdings den falschen. Er war einer der ersten Nasenprotesenträger der Welt: der Däne Tycho Brahe.

Seinen natürliche Nase verlor der Rostocker Student im Streit um seine rechnerischen Fähigkeiten. Im Jahre 1566 stritt sich der Brahe mit einem Kommilitonen darum, wer von ihnen der bessere Mathematiker sei. Zur Klärung dieser Frage wählten beide das Duell, wobei Brahes Nase dem kräftigen Degenhieb seines Gegenparts zum Opfer fiel. Er erhielt alsbald eine Prothese aus einer Gold-Silber-Legierung. Diese Protese wurde zu seinem Markenzeichen.

Nach seinem misslichen Erlebnis blieb Brahe noch zwei Jahre, bis 1568, in Rostock. Er lebte dort für einige Zeit bei Levinus Battus, Medizinprofessor an der Universität. Dieser soll sein Interesse für Medizin und Alchemie geweckt haben.

Schon mit 13 Jahren schlug Brahe die Gelehrtenlaufbahn ein, studierte in Leipzig, Wittenberg, Rostock und Basel sowohl Jura, als auch Geistes- und Naturwissenschaften. Eine Sonnenfinsternis Anfang der 1560er hatte ihn so fasziniert, dass er beschloss, sein ganzes Leben der Sternenkunde zu widmen. Seine in Leipzig begonnenen umfangreichen Studien und Sternenbeobachtungen führte er fast vier Jahrzehnte lang fort.

1570 kehrte er in seine Heimat Dänemark zurück. Zwei Jahre später beschrieb er Veränderungen im Sternbild Cassiopeia. Er entdeckte eine Supernova, einen neuen Stern. Diese Beobachtung erregte großes Aufsehen, ging man doch zur damaligen Zeit davon aus, dass das Firmament statisch ist. Brahe gelang es, diese Auffassung in seinem Buch ,,De Nova Stella“ (1573) zu widerlegen, was ihm Ruhm in ganz Europa einbrachte.

Wegweisend war Brahes Erkenntnis, dass damalige Instrumente der Sternenforschung keine genauen Ergebnisse brachten. Er entwickelte deshalb neue Methoden für die präzise Messung der Positionen der Himmelskörper. Zum Beispiel erkannte in Metall ein weit besseres Material zum Bau von Messinstrumenten als im bis dahin üblichen Holz. Außerdem fertigte er die Instrumente so groß wie möglich, um durch den größeren Maßstab exaktere Ergebnisse zu erzielen. Eines Fernrohres bediente sich Brahe allerdings noch nicht. Mit ihm endete gewissermaßen die Sternenforschung mit bloßem Auge. Erst Galileo Galilei wusste acht Jahre nach Brahes Tod die Vorzüge von gewölbten Linsen zu nutzen.

Brahes wissenschaftliche Erfolge konnten allerdings seine Streitigkeiten mit dem dänischen Königshof, wegen derer er 1597 das Land verlassen musste. Nun trat er in Prag bei Kaiser Rudolf II. seinen Dienst an. Kein Geringerer als Johannes Kepler assistierte ihm hier ab 1600 und führte Brahes Studien nach dessen Tod 1601 weiter.

Auf der dänischen Insel Ven, auf der Brahe zuvor gearbeitet hatte, kann man übrigens noch heute zwischen den Überresten von Brahes Observatorium Uraniborg und der restaurierten Sternwarte Stjerneborg wandeln oder das Museum in der ehemaligen Allerheiligenkirche besuchen.

Auch die Hansestadt Rostock ehrt ihren berühmten Studenten mit der goldenen Nase: Eine Straße und die astronomische Station tragen seinen Namen. Das Relief des Astronomen ziert außerdem einen Hausgiebel in der Garbräterstraße. Deutlich hebt sich auch hier seine goldene Nase ab.

Quellen und Links:

 

Tycho-Brahe-Portal
Amt für Kultur und Denkmalpflege der Hansestadt Rostock
Tycho Brahe Planetarium
Sternwarte Rostock

 
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