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Ostseewellen in den Dolomiten
Liebeserklärung an die Mecklenburgische Heimat geht um die Welt
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Die „Ostseewellen“im Gedicht von Martha Müller Grählert, einer plattdeutschen Heimatdichterin, schwappten nach ganz Europa über. Sie schrieb es unter dem Namen  „Mine Heimat“ als Ode an die Ostseeküste, die in der Schweiz vertont wurde. Inzwischen ist das Stück in vielen Variationen als Heimatlied vieler anderer Regionen der Welt zu hören.

Dass die Ostfriesen, die Helgoländer oder die Ostpreußen jeweils eine Abwandlung schufen, etwa die Nord- statt die Osteewellen besingen, ist noch nicht sehr verwunderlich, liegen doch die Regionen nicht allzu weit auseinander. Umso ungewöhnlicher ist, dass es das Heimatlied soweit ins Binnenland trieb, dass es noch heute durch die Dolomiten hallt. Die Südtiroler besingen in ladinischer Sprache die mit Blumen übersäten Wiesen und die friedlichen Berge ihrer Heimat. Der Hotelier Franco Dezulian aus Südtirol soll das Lied nach dem Zweiten Weltkrieg an der deutschen Küste gehört und noch im Nachtzug eine Version für das Fassatal in seiner italienischen Heimat gedichtet haben. Heute gehört es zum Repertoire der dortigen Gesangsvereine und der Bozener Rundfunk in Tirol eröffnet mit der Melodie seine Heimatsendungen.

Die Schweden besingen wie die Mecklenburger die Ostseewellen, die Holländer die der Nordsee. Weitere Versionen gibt es in England und Spanien. Frankreich besingt „Les Flots du Nord". Nach Kanada, Australien und Brasilien brachten es vermutlich Auswanderer mit. Offenbar ist es sogar in Teilen Afrikas bekannt.

Auch wenn das Lied zu einer Art Welterfolg wurde, geschrieben hatte es Martha Müller-Grählert allein für ihre Heimat, die Ostseeküste. In Barth auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst geboren, arbeitete sie von 1898 bis 1911 als Journalistin in Berlin. Vom Heimweh geplagt schrieb sie dort das Gedicht. 1907 erschien es in den „Meggendorfer Blättern“, einer Zeitschrift für Musik und Kunst. Die Veröffentlichung las der in Zürich lebende Thüringer Simon Krannig, ebenso vom Heimweh gequält wie Müller-Grählert. Er war Dirigent des Züricher Arbeiter- und Männergesangsvereines und komponierte für ihre Zeilen die Melodie, die um die Welt ging.

Martha Müller-Grählert ging 1911 mit ihrem Mann Dr. Max Müller nach Japan, der einem Ruf an die Universität Sapporo folgte. Nach ihrer Rückkehr 1915 zerbrach die kinderlose Ehe und Müller-Grählert geriet in wirtschaftliche Not. Ein erbitterter Kampf um die Urheberrechte von „Mine Heimat“ entbrannte, die schließlich 1936 ihr und Krannig zuerkannt wurden. Ihre Notlage verbesserte sich dennoch nicht. Noch bevor die Rechte materielle Früchte trugen, starb sie verarmt und fast erblindet im Franzburger Altersheim nahe ihrer Heimatstadt Barth.

Quellen und Links:
Stadt Barth
Gemeinde Zingst (Hg.): Wo de Ostseewellen trecken an den Strand... Zingster Heimatheft Nr. 2 (in German)

 
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