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Seebad nach englischem Vorbild
Rückblick auf die internationale Geschichte von Heiligendamm
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"Heic te laetitia invitat post balnea sanum"- Hier lädt dich, nach dem Bade geheilt, die Freude ein. Mit dieser charmanten Aufforderung zum Ausspannen lockt die weiße Stadt am Meer schon seit dem 18. Jahrhundert zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland an. Der unumstrittene Höhepunkt ihrer Geschichte: der G8-Gipfel 2007. Acht internationale Spitzenpolitiker gleichzeitig gaben sich dort die Ehre, wo schon der russische Zar oder Lord Nelson zu Gast waren.

Der amerikanische Präsident George W. Bush war bereits ein Jahr zuvor schon durch den Heiligendammer Küstenwald geradelt und hatte offenbar Gefallen gefallen gefunden.

Dieses ganz besondere Juwel der Seebadkultur ist dem mecklenburgischen Herzog Friedrich Franz I zu verdanken. Weniger des heilsamen Wassers wegen, als vielmehr um Aufschwung in sein Land zu bringen, zeigte er sich nach dem Anbaden im Juli 1793 begeistert von der Idee ein öffentliches Seebad zu errichten. Nach den englischen Vorbildern in Brighton und Bath ließ der Monarch in schlichter, zeitloser Eleganz die weißen Häuser entlang des "Heiligen Dammes" erbauen und schuf damit das erste deutsche Seebad.

Unter Großherzog Paul Friedrich wuchs der Badeort ein halbes Jahrhundert später zu einer wahren Sommerresidenz heran. Bis 1865 entstanden anmutige Villen, entlang des Ostseeufers aufgereiht wie blanke Perlen einer Kette. Als weiße Stadt am Meer bleibt das strahlende Ensemble den Besuchern fortan in Erinnerung, unter ihnen Persönlichkeiten wie der Kronprinz von Preußen, Feldmarschall Blücher, Wilhelm von Humboldt und die Zarenfamilie. Auch Lord Nelson soll mit seiner Flotte hier auf Reede gelegen haben.

Bis in die 1930er Jahre erfreute sich der exklusive Badeort wachsender Beliebtheit. Nach dem zweiten Weltkrieg hießen die einstigen Bade- und Logierhäuser als Sanatorium und Erholungsheime Kurgäste willkommen.

Die Kölner Investorengruppe FUNDUS erwarb 1996 die historischen Villen und verhalf  dem klassizistischen Kunstwerk zu einer prachtvollen Renaissance. Nach herausfordernden Restaurierungsarbeiten eröffnete das Kempinski Grand Hotel am 1. Juni 2003 mit eleganten Zimmern und Tagungsräumen. Luxuriös wie eh und je erwartet  ein Spa heute internationale Gäste zum Entspannen und Durchatmen. Nach dem Bade lädt Heiligendamm nach wie vor zur Freude ein: Sternekoch Tillmann Hahn etwa empfängt Gourmets mit meisterhaft zubereiteten Köstlichkeiten.

Nach der so prachtvollen Wiedergeburt des einzigartigen klassizistischen Kunstwerkes erinnert noch immer ein Gedenkstein an seinen Gründer Friedrich Franz I. Auch die Inschrift am Giebel des Kurhauses spricht noch heute Gäste des ersten deutschen Seebades an, sich zu erholen – sei es barfuß im heilsamen Wasser oder per Rad à la George Bush durch den Forst.

Quellen und Links:
Kempinski Grand Hotel Heiligendamm
Schümann, Grundner: Heiligendamm. Hinstorff Verlag Rostock, 2006
Grundner, Skerl: Heiligendamm. Hinstorff Verlag Rostock, 2001
Hüls, Böttcher: Bäderarchitektur. Hinstorff Verlag Rostock,1998

Foto:
Heiligendamm (Grundner)

 
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