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Lehrer Röntgens und Pionier der Computertechnik
Heutige Rechner profitieren von August Kundts Entdeckungen
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Im 19. Jahrhundert machte ein Physiker aus Schwerin eine Entdeckung, deren Tragweite erst heute, im Zeitalter der Computertechnik, in vollem Maße auszumachen ist. Der so genannte „Kundt-Effekt“, benannt nach August Kundt, ist eine Erscheinung der Magnetooptik. Kundt wies die Drehung der Polarisationsebene des Lichtes beim Durchgang durch magnetische Substanzen nach. Diese Erscheinung verbunden mit der Lasertechnik ermöglicht heute die Herstellung optischer Speicher.

Auch die hauchdünnen Metallschichten, die aus der Computertechnik nicht mehr wegzudenken sind, gehen auf eine Entwicklung Kundts zurück. 1886 stellte er sie erstmals mit Hilfe der Kathodenzerstäubung her.

Seine Fähigkeiten auf den Gebieten der Physik und Mathematik erlangte Kundt an der Leipziger Universität. 1868 wurde er aufgrund hervorragender Leistungen als Professor an das Polytechnikum in Zürich berufen. Nach einer Professur in Würzburg übersiedelte Kundt 1872 nach Straßburg, wo er den Aufbau des Physikalischen Instituts an der neu gegründeten Universität leitete und sechs Jahre später zum Rektor aufstieg. Fast 50 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichte der Schweriner, entdeckte die Einatomigkeit des Quecksilberdampfes, forschte etwa auf den Gebieten der Kristallkunde, der Optik und der Elektrizitätslehre. Sechzehn Jahre später wurde er nach Berlin berufen. Sein glänzender Ruf eilte ihm voraus, sodass er dem enormen Zulauf an Studenten kaum noch gewachsen war. Einer seiner Schüler war der nur sechs Jahre jüngere Conrad Röntgen, der 1901 den ersten Nobelpreis für Physik erhielt. Kundt hatte sich vollkommen der Wissenschaft verschrieben, war Mitglied der Akademie, verschiedener Gesellschaften und Vereine und schrieb als Redakteur für die Zeitschrift „Fortschritte der Physik“. Sein arbeitsreiches Leben verschlimmerte offenbar ein Herzleiden, von dem er sich bald nicht mehr erholte. Kundt starb im Alter von nur 54 Jahren im Mai 1894 in Israelsdorf bei Lübeck.

Quelle:
Seiffert, Rolf: August Kundt. In: 100 bedeutende Mecklenburger und Vorpommern. Graumann (Hg.) Verlag Reinhard Thon Neubrandenburg 2000

 
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