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Beton mit Schwung
Ulrich Müther machte mit gewagten Dachkonstruktionen Furore
  

Seerose, Muschel oder Ahornblatt – anmutige Namen für Bauten aus Beton. Der norddeutschen Natur hat der Binzer Bauingenieur Ulrich Müther ihre Formen abgeschaut und besondere Techniken ausgetüftelt, um die richtige Zementmischung zu finden. Die von Müther mitentwickelte Bauweise erregte auch im Ausland Aufmerksamkeit und brachte der damaligen DDR wertvolle Valuta. In der sozialistischen Republik schätzte man die Konstruktionen. Sie brachten schwungvolle Abwechslung in die eckige Plattenbau-Landschaft und waren zudem kostengünstig.

Müther diplomierte 1963 in Dresden über die Berechnung von gekrümmten Flächen, den hyperbolischen Paraboloiden, und schuf damit Grundlagen für seine eleganten Hyparschalen- Konstruktionen. Ein geschwungenes Netz aus Stahlträgern dient dabei als Gerüst für den Beton, der in Schichten aufgespritzt wird. Müther errichtete etwa einen ungewöhnlichen Rettungsturm in Binz, Objekte in Potsdam oder Berlin und schuf auch in Rostock-Warnemünde mit dem »Teepott« ein Wahrzeichen – Referenzen, denen Aufträge im Ausland folgten. In Zusam menarbeit mit dem DDR-Vorzeigeexporteur Carl Zeiss Jena spritzte Müther für Planetarien in Helsinki, Kuwait und Tripolis. Carl Zeiss Jena lieferte die Technik, Müther die passenden Betonkuppeln. Er konstruierte auch die Rennschlittenbahn in Oberhof. Sie war die erste Welt, die ohne Einschalung erbaut wurde. Auch Radrennbahnen in Havanna und Rostock tragen Müthers Handschrift.

Mit der DDR schwand allerdings auch das Interesse für Müthers Bauweise und seine Betonschalenobjekte. Einige Bauten sind abgerissen worden, andere verfallen. Dem Ahornblatt in Berlin haben alle Proteste gegen den Abbruch nichts genützt, der Warnemünder Teepott hingegen wurde gerettet. Er steht seit 1968 als Wahrzeichen neben dem Leuchtturm und, wenn man so will, auch als ein Denkmal für den Betonschalenbauer Ulrich Müther, der im August 2007 im Alter von 73 Jahren gestorben ist.

 
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