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Das ganze Alphabet auf sieben Tasten
Pasewalker ersann Schreibmaschine für Blinde
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Eine etwas andere Schreibmaschine erfand der Lehrer Oskar Picht. Das Besondere: Sie besitzt nur sieben große Tasten. Trotzdem kann man mit ihr das ganze Alphabet und alle Zahlen schreiben. Picht erfand die Maschine, um seinen blinden Schülern das Lernen zu erleichtern. Die Tasten werden in verschiedenen Kombinationen gleichzeitig gedrückt und stanzen kleine Noppen ins Papier. Noch heute stehen Nachfolgemodelle auf Schreibtischen von Argentinien bis Taiwan.

Picht legte seiner Erfindung die 1825 von dem Franzosen Louis Braille erfundene Schrift zugrunde. Sechs Pünktchen, angeordnet in drei übereinander liegenden Zweierreihen, ergeben dabei eine Grundzelle. Lässt man Pünktchen weg, ergeben sich verschiedene Buchstaben. Mit diesem System ermöglichte Braille vielen Blinden das Lesen und Schreiben. Das Schreiben war allerdings recht mühsam, mussten doch alle Punkte mit Hilfe einer Tafel einzeln in Papier geprägt werden. Hinzu kam, dass die Schüler von rechts nach links schreiben mussten, um von links nach rechts lesen zu können: Um die Punkte zu ertasten, musste das Blatt Papier herumgedreht werden.

Oskar Picht machte die Arbeit mit Blinden zu seinem Lebensmittelpunkt. 1899 wurde er Lehrer an der Blindenschule in Berlin-Steglitz, die er später leitete. Die Schulbibliothek war dürftig bestückt und nur wenige Druckereien fertigten teure Bücher in Blindenschrift. Das Dilemma spornte Picht an, eine Maschine zu ertüfteln, die das Schreiben der Braille-Schrift schnell und einfach machte. Seine Erfindung von 1899 brachte es zu Weltruhm, auch wenn er nicht der Einzige war, der eine Punktschriftmaschine erfand. In den USA wurde der sogenannte Perkins Brailler entwickelt. Auf der Internationalen Schreibmaschinenausstellung in Venedig 1907 war es jedoch Picht, der die höchste Auszeichnung, eine Goldmedaille, erhielt. Sechs Jahre zuvor hatte er das erste Patent erhalten, neun weitere folgten für Verbesserungen. Picht stockte die Schulbibliothek auf, die bald zu einer der größten Leihbüchereien Deutschlands heranwuchs.

Seine Schreibmaschine wurde später unter dem Namen »Erika-Picht« ein wahrer Exportschlager. Noch heute verkauft sie die multi-tech GmbH in Dresden an Abnehmer auf der Welt von Amerika bis Fernost.

Pichts Heimatstadt Pasewalk benannte die örtliche Schule nach dem engagierten Lehrer und lobt jährlich einen Oskar-Picht-Preis für besondere schulische und außerschulische Aktivitäten aus.

 
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