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Graf Zahl aus Wismar
Gottlob Frege erdachte Grundlagen der Programmiersprachen
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Professor Frege hätte sich sicherlich geehrt gefühlt. Immerhin führt die nach ihm benannte Straße in Wismar direkt auf den Philosophenweg. Gottlob Frege (1848–1925) gilt als einflussreichster Denker um die Wende des 20. Jahrhunderts und als Wegbereiter der analytischen Philosophie. Doch außerhalb nationaler wie internationaler Fachkreise weiß kaum jemand um sein Verdienst unter anderem für die
Informatik.

Frege entwickelte die formale Logik, bereicherte die Sprachphilosophie mit seinen Überlegungen zur Bedeutung von Wörtern und definierte erstmals den Begriff der Zahl.

Noch heute wirft Frege, der in Göttingen und Jena studierte und lehrte, seine Schatten auf Wismar. Uwe Lämmel, Informatikprofessor an der örtlichen Hochschule, musste in seinen Studien auf den berühmten Sohn der Stadt stoßen. »Frege ist von seinen Zeitgenossen nicht richtig verstanden worden, erst im Nachhinein haben sie seine Arbeit gewürdigt«, erklärt Lämmel. Was von Frege bleibt, ist so logisch, dass die Frage im Raum steht: Warum ist nicht früher jemand darauf gekommen?

Im Zentrum seines Logik-Ansatzes steht die sogenannte Implikation – im täglichen Leben besser bekannt als Wenn-dann-Satz: Wenn das Buch gut ist, empfehle ich es weiter. Mithilfe von Freges Konzept lässt sich auch ausdrücken, dass die Bedingung für alle Objekte gilt, also: Für alle Bücher gilt, wenn das Buch gut ist, empfehle ich es weiter. Auch die Verneinung der Aussagen sieht Frege vor: Das Buch ist nicht gut.

»Mit seiner Beschreibung dieser Zusammenhänge wurde eine formale Darstellung von Wissen und die Wissensverarbeitung mittels des Computers möglich«, sagt Uwe Lämmel. Freges Sys tematik der Bedingungen bildet noch heute die Basis für Programmiersprachen. Seine Definition der Zahl leitet sich da schon eigentümlicher her. So umschreibt Frege als Grundlage zunächst einmal die Null als die Menge aller Elemente, die zu sich selbst ungleich sind.

»Leider findet Frege in Deutschland nicht die ihm gebührende Anerkennung«, sagt Professor Lämmel. Während ihm im Lexikon »Encyclopaedia Britannica« eine ganze Seite gewidmet sei, stünden in deutschen Enzyklopädien nur wenige Zeilen. Die Wismarer sind jedoch stolz auf Gottlob Frege. So widmet sich nicht nur ein Frege-Zentrum an der Uni der verbesserten Vermittlung von Mathematik. Jedes Jahr vergibt die Stadt Wismar außerdem den Frege- Preis für die besten Hochschul-Abschlussarbeiten in den Bereichen Technologie, Wirtschaft und Gestaltung. Im Mai steht in Wismar traditionell die Frege-Wanderung an. »Das ist einem besonderen Spleen Freges geschuldet«, sagt Uwe Lämmel, selbst Mitglied des Frege-Zentrums. »In seinem Sommerurlaub wanderte er immer zu Fuß von Jena nach Wismar.« In Jena war der Mathematiker als Privatdozent und später Honorarprofessor tätig. Nach der Pensionierung verbrachte Gottlob Frege seine letzten Jahre in Bad Kleinen am Schweriner See.

 

Quellen:

Stepanians, M.: Gottlob Frege zur Einführung, Hamburg 2001

 
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