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Indischer Sherlock Holmes aus Teterow
Mecklenburger Bauernsohn steigt zum Polizeipräsidenten auf
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Bis nach Indien verschlägt es einen hochbegabten Mecklenburger in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der zielstrebige Robert Hampe Vincent hat sich in Mumbai um die polizeiliche Sicherheit verdient gemacht.

Vincent erblickt 1841 in der Nähe von Teterow, im Herzen Mecklenburgs das Licht der Welt. Zunächst will der Bauernsohn in Magdeburg eine Kaufmannslehre absolvieren, aber schon bald  ist ihm der enge kleine Laden unerträglich. Als Wanderbursche verlässt er seine Heimat in Richtung Italien, wo er sich der legendären Bewegung Giuseppe Garibaldis zur Schaffung eines italienischen Staates anschließt. Er ist fasziniert von der Anstellung bei dem Guerillaführer - viel mehr als von der biederen Kaufmannsausbildung und er kämpft in seiner Wahlheimat gegen Franzosen und päpstliche Truppen für die italienische Vereinigung. Nach einer Verwundung und Gefangenschaft quittiert er jedoch seinen Dienst und nimmt als Matrose Kurs auf England. Dort heuert auf einem Frachtschiff in die englische Kolonie Indien an. Begeistert von Kultur und Menschen bleibt Robert Vincent und bemüht sich im ganzen Land eine Stellung zu finden. Wieder auf Wanderschaft, diesmal auf dem Subkontinent, studiert die fremde Kultur. Der wissbegierige Mecklenburger lernt hier und während seiner späteren Stellung beim Militär 30 der unzähligen verschiedenen Sprachen der indischen Völker. Seine Tatkraft und Begabung bringen ihm nach sieben Jahren beim Militär ein Stellenangebot bei der Polizei ein und er beginnt eine bemerkenswerte Karriere.

Schnell wird er aufgrund seiner Sprachkenntnisse und seiner menschlichen Eigenschaften als Polizeioffizier unersetzbar. Am 8. April 1893, bereits nach wenigen Dienstjahren, wird Robert Vincent Polizeipräsident der Stadt Bombay und damit Inhaber des höchsten polizeilichen Ranges in der Metropole.

Der Präsident erkennt schnell, dass Effizienz und Schlagkraft der Polizei in der indischen Hafenstadt nur durch deren Neuordnung erhöht werden können. Die Regierung befürwortet seine Pläne zur Umstrukturierung der Exekutive und Vincent stellt neue Mitarbeiter ein. Bald sind 2500 Polizisten in Bombay im Einsatz und durch die Einführung neuer Methoden, wie die Untersuchung von Fingerabdrücken, erringt der Mecklenburger große Erfolge in der Verbrechensbekämpfung.

Im Bombay des 19. Jahrhunderts sehen sich die Polizisten nicht nur mit alltäglichen Konflikten konfrontiert. Heftige Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Mulimen fordern den Ordnungshütern das Letzte ab. Schnell wird dem umsichtigen Polizeipräsidenten Vincent klar, dass seine Mannen mit diesen Kämpfen nicht fertig werden und er zögert nicht militärische Hilfe anzufordern, so kann er Schlimmeres verhindern. Auch während der Choleraepedemie 1896 gelingt es Vincent, die Zahlen von Plünderern und Einbrechern gering zu halten und so die Ordnung in der Stadt so gut es geht zu sichern.

Der Mecklenburger wird Anfang 1899 pensioniert und erhält zahlreiche Belobigungen für seine Verdienste in der Kriminalitätsbekämpfung. Als Zeichen großer Anerkennung wird ihm sogar im wohlverdienten Ruhestand noch ein hohes Amt übertragen: Vincent wird Stadtverordnetenvorsteher und erhält obendrein die Aufgabe, auch die ägyptische Polizei zu revolutionieren. Als er bei einer neuen Choleraepedemie grundlegende hygienische Maßnahmen fordert, stößt er jedoch auf Protest seitens der Regierung. Verbittert legt er sein Amt nieder. Seine Liebe zu Indien aber bleibt und er unternimmt mit seiner Frau eine Reise durch das ganze Land, die ihm die Regierung aufgrund seiner ehrenvollen Verdienste sponsert.

In seine Heimat kehrt der bemerkenswerte Mecklenburger nicht mehr zurück. Er stirbt am 12. Oktober 1914 in Lugano.

 

Quelle: Mecklenburg Magazin, Jahresheft 1999, Nr. 12

Foto: Robert Hampe Vincent, SVZ

 
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