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Mecklenburger entdeckt Hochkultur
Heinrich Schliemann bringt 1000 Jahre griechischer Geschichte ans Licht
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Mykene. In sengender Hitze kniet der Archäologe vor halb freigelegten Fundstücken. Im unwirtlichen Gelände, nach jahrelangem Suchen stößt er auf Unglaubliches. Erschöpft und ungeduldig, aber behutsam befreit er wertvolle Artefakte vom Staub der letzten 1000 Jahre. Darunter entdeckt er Gegenstände von einer verblüffenden künstlerischen Vollendung...

So oder ähnlich mögen namhafte Zeitungen wie die London Times seinerzeit die sensationellen Ausgrabungen eines der wohl berühmtesten Mecklenburger protokolliert haben.

Zu Recht behaupten die Griechen, ein Mecklenburger hätte ihnen 1000 Jahre ihrer Geschichte wiedergebracht. Der Vater der Archäologie, Heinrich Schliemann (6.1.1822 - 26.12.1890), grub in Mykene und verschaffte so nicht nur dem griechischen Volk Zugang zur ersten Hochkultur des europäischen Festlandes.

Der Traum, der eigentlich nicht mit Mykene, sondern mit Troia begann, reifte in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahre 1822 in der Kleinstadt Neubukow bei Bad Doberan geboren, verbrachte Heinrich Schliemann seine frühe Kindheit in Ankershagen. Der Legende nach soll der wissbegierige Junge von seinem Vater eine „Weltgeschichte für Kinder“ geschenkt bekommen und seit dem davon geträumt haben, das sagenumwobene Troia auszugraben.

Der Pastorensohn kam aus ärmlichen Verhältnissen, erhielt nur eine dürftige Schulbildung, entwickelte jedoch einen bemerkenswerten Ehrgeiz ein erfolgreicher Mann zu werden. Den sprachbegabten Mecklenburger verschlug es  nach Amsterdam und nach Russland, später bereiste er die Welt als vermögender Unternehmer. Aber so wechselvoll sein Leben auch war, seinen großen Wunsch verlor er nie aus den Augen. Von 1866 bis 1868 studierte Schliemann Altertumskunde an der Pariser Sorbonne und ließ sich 1869 in Athen nieder. In der 17-jährigen Griechin Sophia Engastromenos fand er nicht nur Ehefrau und Mutter zweier seiner Kinder, sondern eine treue Gefährtin: Sie teilte seine Leidenschaft für Homer und für die Archäologie. Sie unterstützte ihn in seinen ungewöhnlichen Vorhaben, begleitete ihn oft zu den Grabungsstätten und ertrug mit ihm die Strapazen, die seine Arbeit mit sich brachte.

Fest entschlossen begab sich Schliemann nach Hisarlik. Ganz anders als seine Vorgänger deutet er die alten Schriften und wurde oft belächelt. Unbeirrt, den Spaten in der Hand und Homer im Kopf, suchte er auf dem heutigen Gebiet der Türkei nach der Stadt Troia - dort, wo der alte Grieche die Ilias angesiedelt hatte und fand 1873 tatsächlich einen unglaublichen Schatz, den er als "Schatz des Priamos" interpretierte, von dem wir jedoch heute wissen, dass er auf etwa 2250 v. Chr. datiert werden muss, also noch unglaubliche eintausend Jahre älter ist als Schliemann vermutete. Seine sagenhafte Entdeckung spornte ihn an, auch nach den Kriegsgegnern Troias in Griechenland zu forschen.

In der bronzezeitlichen Stadt Mykene, von der über Jahrtausende hinweg nur die kyklopischen Mauern und das Löwentor sichtbar gewesen waren, macht er 1876  eine außergewöhnliche Entdeckung: Der Forscher legte Gräber frei, fand Gebeine und eine wunderbar erhaltene Mumie, die er für die des Königs Agamemnon hielt. Mit diesen Gräbern entdeckte der Archäologe eines der wohl ältesten Monumentalbauwerke in ganz Europa: die Königsgräber von Mykene. Doch hiermit schenkte er der Welt nicht nur ein archaisches Bauwerk; die Schriften des Pausanias hatten Heinrich Schliemann zu den Spuren einer ganzen Kultur aus dem 16. Jahrhundert vor unserer Zeit geführt. Unzählige filigrane Grabbeigaben ließen auf eine weit entwickelte Kultur, ja sogar eine der ersten Hochkulturen des europäischen Festlandes schließen. Unter ihnen eine Maske, die später als Goldmaske des Agamemnon in die Geschichte einging.

Die Funde machten der Mecklenburger zur internationalen Berühmtheit. Fast täglich berichtete die London Times über seine Grabungen, von der Universität Oxford erhielt er den Ehrendoktortitel. In seiner stolzen Heimat erhielt Schliemann 1869 den Doktortitel in absentia von der Universität der Hansestadt Rostock. Die Titel und Ehrungen und die außergewöhnlichen Entdeckung in Mykene ermutigen den Wissenschaftler, später auch in Tiryns und Orchomenos nach prähistorischen Zeugnissen zu suchen.

Wenn Schliemann auch seine Funde nicht immer richtig deutete, so hat er doch die sagenhafte mykenische Kultur (16.-12. Jhd. v. Chr.) ans Licht gebracht. Immer noch ist seine Betrachtungsweise der Archäologie als Wissenschaft ganzer Kulturen wegweisend. Seine unglaublichen Entdeckungen würdigen die Griechen noch heute mit dem Bonmot, Schliemann habe ihnen 1000 Jahre ihrer Geschichte geschenkt. Diese begann nun nicht mehr mit den ersten Aufzeichnungen der Olympischen Spiele 776 v. Chr., sondern schon etwa 1000 Jahre früher. Sein reicher Fund ist seit 1876 im Archäologischen Nationalmuseum in Athen zu bewundern.

Originale Keramikfunde und Repliken vieler anderer Schätze, wie die der berühmten Goldmaske, können Touristen wie Einheimische heute im weltweit einzigen Schliemann-Museum in Ankershagen bewundern. Das Zentrum der internationalen Schliemann-Forschung ermöglicht einen objektiven Einblick in dessen Geschichte. Auf dem traumhaften Gelände wird der Besucher von einem imposanten Troianischen Pferd empfangen und im Museumsgebäude durch das Leben des außergewöhnlichen Archäologen geführt. Zweifellos kann man sich nirgends besser in das Werk jenes großen Mannes hineinversetzen als in seinem Heimatort Ankershagen, in dem der zehnjährige Heinrich einst mit der Weltgeschichte auf dem Schoß von Troia träumte.

 

Quellen und Links:

W. Bölke, R. Witte, Heinrich-Schliemann-Museum Ankershagen, Mecklenburg. Führer durch die ständige Ausstellung, Ankershagen 2003

W. Bölke, R. Witte (Hrsg.), Mitteilungen aus dem Heinrich-Schliemann-Museum, Ankershagen 1987 ff.

Guntau, M., Mecklenburger im Ausland, Bremen, Rostock 2001

Heinrich-Schliemann-Museum

Deutsches Archäologisches Institut

 
Heinrich-Schliemann-Gedenkstätte   
Am Brink 1
18233 Neubukow
Tel.: 038294/16690
Fax: 038294/16696
E-Mail: stadt@neubukow.de

 

Fotos:

Archiv des Heinrich Schliemann Museums Ankershagen

 
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