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Stralsunder entdeckt Sauerstoff
Bescheidender Experimentator erhält späte Ehrung
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Schlägt man den Namen des Sauerstoffentdeckers Carl Wilhem Scheele nach, so findet man ihn häufig verzeichnet als schwedischen Wissenschaftler. Kaum jemand weiß, dass der Experimentator, der unglaubliche 20.000 Versuche durchführte und dokumentierte, ein Sohn der Hanse- und Welterbestadt Stralsund in Vorpommern ist, die aber seit dem Westfälischen Frieden von 1648 bis 1815 völkerrechtlich in den Besitz der Schweden gehörte.

Dies ist vermutlich ein Grund dafür, dass der Sohn eines Kaufmanns 1757 in Göteborg eine Apothekerlehre beginnt. Hier und während seiner Anstellungen als Apothekergehilfe in Malmö, Stockholm und Uppsala eignet er sich autodidaktisch Fertigkeiten und Kenntnisse in der Chemie an. An der Universität von Uppsala knüpft er Kontakte zu bedeutenden Professoren, unter ihnen Carl von Linné und Thorbjörn Bergman. Scheele profitiert von deren chemischen Wissen und ist Bergmann als Experimentator bald weit überlegen. Dennoch widmet Scheele sich keineswegs ganz der Wissenschaft, sondern pachtet 1775 eine Apotheke im schwedischen Köping. Vielmehr nebenbei tritt er zwei Jahre später seine Mitgliedschaft in der Königlichen Akademie an und absolviert zugleich sein Pharmazieexamen vor dem Collegium Medicum.

Der begabte Chemiker ist ein pflichtbewusster Apotheker, widmet aber jede freie Minute seinen Experimenten. Bis in die späten Nachtstunden macht der Chemiker Versuche. Akribisch führt er Tagebuch.  Die Mühe zahlt sich aus: "Feuerluft" entdeckt der Stralsunder bei Versuchen mit Braunstein und Quecksilberkalk. Das isolierte Gas ist der heutige Sauerstoff, dessen Bedeutsamkeit und Nutzen Scheele noch nicht erahnt. Der bescheidende Chemiker berichtet nur sehr zurückhaltend über seine bahnbrechenden Ergebnisse, so dass der englische Geistliche Joseph Priestley 1774  als Entdecker des Sauerstoffs bekannt wird. Aufgrund der Aufzeichnungen Scheeles wissen wir heute jedoch, dass dieser den Sauerstoff schon im Juni 1771 isoliert, seine herausragende Entdeckung aber erst 1777 mit dem Buch "Chemische Abhandlung von der Luft und dem Feuer" publiziert.

Große Verdienste müssen wir dem Pharmazeutiker auch bei der Erforschung anderer Substanzen zuerkennen. So charakterisiert der gebürtige Stralsunder das Glycerol, die Milch- und Zitronensäure, Schwefel- und Fluorwasserstoff. In seiner gepachteten Apotheke in Köping erforscht der Deutsch-Schwede auch Ammoniak, Stickstoff und viele andere chemische Elemente wie Mangan, Barium und Wolfram.

Scheele ist der erste Chemiker, der mit den einfachen Mitteln des Apothekers aus dem Mineral Tungstein die Wolframsäure isoliert. Heute trägt das Mineral den Namen des Forschers: "Scheelit". Unter dem Namen "Scheeles Grün" ist ein Farbstoff bekannt, dessen Inhaltsstoff Scheele als Gemisch von basischem und neutralem Kupferarsenit herstellte.

Scheele war solch ein gewissenhafter Forscher, dass er Angebote für mehrere Professuren ablehnte, um seinen Experimenten seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen. Jedem Stoff, mit dem er experimentierte, entlockte der ehrgeizige Scheele sogar dessen geschmackliche Eigenschaften. Dieses übereifrige Interesse wurde dem Chemiker früh zum Verhängnis, da er auch vor Giften wie Quecksilber und Blausäure keinen Halt machte. Dies war vermutlich ein Grund dafür, dass er bereits mit 43 Jahren in Köping verstarb. Der bescheidene Pharmazeutiker hinterließ seiner Nachwelt bahnbrechende Erkenntnisse, dennoch war er zu Lebzeiten so unbekannt, dass kaum jemand weiß, wie der Wissenschaftler wirklich aussah. Selbst Statuen, zu ehren Scheeles in Stockholm und Köping errichtet, wurden nach anderen Modellen gefertigt.

 

Quellen und Links:

Museum Köping

Hansestadt Stralsund

 

Fotos:

Porträtrelief von Carl Wilhelm Scheele, ursprünglich angebracht an der Fassade des Scheelehauses, heute im Inneren des Hauses (TZ Stralsund)

Scheelehaus in der Hansestadt Stralsund (TMV)

Geburtshaus von Carl Wilhelm Scheele, Hansestadt Stralsund (TMV)

 
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