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Greifswalder vermisst Riesenwasserfall
Entwicklungshelfer entdeckt Attraktion im Urwald
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Zornige Wassermassen stürzen in die Tiefe – mehrere Millionen Liter in der Sekunde. Sagenhafte 771 Meter legt das Wasser zurück, das den drittgrößten Katarakt im Amazonasgebiet von Peru hinunterrast.

Lange blieb dieses Naturschauspiel der Welt verborgen. Erst im März 2006 führte der Greifswalder Stefan Ziemendorff ein Kamerateam in den Peruanischen Urwald, um die Öffentlichkeit an seiner sagenhaften Entdeckung teilhaben zu lassen. Der Entwicklungshelfer und Hobbyarchäologe stieß bereits 2002 auf den enormen Wasserfall, ließ ihn jedoch erst im Februar dieses Jahres vermessen. Mit der Unterstützung eines deutsch-peruanischen Teams durchstreifte er den unwegsamen Regenwald bis zu dem sagenumwobenen Katarakt. Während dreier Expeditionen fand das Team heraus, dass das Wasser unglaubliche 771 Meter in die Tiefe stürzt und verwies damit das bis dato dritthöchste Naturschauspiel dieser Art in Yosemite (USA) auf Platz vier.

Höher als der nun vermessene Fall sind nur der Salto Angel in Venezuela mit 972 und die Tugela Falls in Südafrika mit 948 Metern. Jetzt reiht sich in die ersten der Rangliste auch der Gocta ein. Benannt ist der nun weltbekannte Wasserfall nach dem nahe gelegenen Dorf in der peruanischen Provinz Chachapoyas.

Den Bewohnern ist das Naturschauspiel allerdings eher unheimlich. Die Einheimischen verbinden Mythen mit dem Furcht erregenden Wasserfall, die auch erklären, warum der Gocta lange Zeit auf keiner Karte verzeichnet war. Der Legende nach leben in dessen wilden Wassern eine blonde Schönheit, eine Sirene, und eine fürchterliche Schlange. Als Mutter der Fische des Flusses wacht die Sirene nicht nur über die Natur, sondern behütet auch einen sagenhaften Goldschatz. So soll sie den Indio Juan Mendoza verwünscht haben, der ihrem Schatz zu nahe kam und zur Strafe nun als Fels sein Dasein fristet und über dessen Schultern die reißenden Wassermassen unaufhörlich in die Tiefe donnern. Ernst und stumm beobachten gespenstische Zierfiguren uralter Sarkophage alles Geschehen von der gegenüber liegenden Seite.

Aufgrund der schaurigen Sage war Stefan Ziemendorff einer der ersten Abenteurer, die sich so weit in das unwegsame Gelände vorwagten. Geführt und begleitet wurde er von dem 60-jährigen Einheimischen Telesforo Santillan, der aber ebenfalls kurz vor dem nassen Ungetüm umkehrte und Ziemendorff mit Zelt und Ausrüstung allein zurückließ.

Weniger mutige Besucher und Touristen wurden bisher nicht nur von der schaurigen Schönen davon abgehalten, den Wasserfall zu bewundern. Auch die recht unwegsame Natur hat daran ihren Anteil. Der dichte, fast unberührte Regenwald um den Wasserfall herum macht ein Herankommen äußert schwierig. Umso mehr wunderbare Tierarten haben hier ihren Lebensraum. Brillenbären, Pumas, Tukane und andere vom Aussterben bedrohte Tiere waren bisher ungestört in dem 3.300 Quadratkilometer großen Naturreservat. Derzeit ist das Paradies jedoch von extensiver Landwirtschaft bedroht.  Stefan Ziemendorff hofft wie viele Bewohner Cocachimbas auf den Tourismus, ausgelöst durch die Vermessung des imposanten Wasserfalles, als eine weniger zerstörerische Einnahmequelle für die Bevölkerung.

Der Greifswalder Entwicklungshelfer mag mit seiner Expedition entscheidend zur Förderung der Region beigetragen haben. Als Praktikant im Rahmen seines Studiums der Internationalen Humanitären Hilfe erkundete er Peru, das ihn so faszinierte, dass er blieb. Heute ist Stefan Ziemendorff Berater der Wasserversorgungsunternehmen und engagiert sich als Koordinator für das Projekt 100.000 Wasser- und Abwasseranschlüsse. Immer wieder zog ihn sein archäologisches Interesse in die Wasserfallregion. In einem BBC-Interview erklärte der begeisterte Greifswalder: „Der Anblick dieses Wasserfalls ist einfach spektakulär“.


 

Bild 1: Gocta-Wasserfall, Autor: Dante Piaggio
Bild 2: Gocta-Wasserfall, Autor: Stefan Ziemendorff

Bild 3: Gocta-Wasserfall, Autor: Stefan Ziemendorff

Bild 4: Sarkophage der Chachapoyas, Autor: Stefan Ziemendorff

 
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