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Staatsbegräbnis für Argentinienforscher
Stralsunder Gelehrter macht Entdeckungen in Südamerika
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Unglaubliches leistet ein Stralsunder, der sich als Zoologe, Geograf, Geologe, Botaniker, Ornithologe, Paläontologe und Meteorologe international einen Namen machte. Kreuz und quer reist er durch seine Wahlheimat Argentinien und entdeckt, beschreibt, zeichnet, sammelt und ordnet kaum zählbare Funde.

Der Schüler Carl Hermann Conrad Burmeister (1807-1892) fällt auf – seine Hochbegabung lässt all seine Pädagogen erstaunen. Sie unterstützen sein großes Interesse an der Sammlung und Ordnung von Käfern und Schmetterlingen und empfehlen ihn für ein Studium an der Greifswalder Universität. Nach seiner Reifeprüfung 1825 schreibt sich der Studiosus  an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Alma Mater der Hansestadt ein. Nach nur zwei Jahren folgt er aber dem Ruf der Gelehrten an die Saale und lernt in der Universität Halle von Koryphäen der Zoologie, Botanik, Paläontologie und Medizin. Schon 1829 promoviert der ehrgeizige Wissenschaftler beinahe gleichzeitig an der Medizinischen und der Philosophischen Fakultät und begeistert nun seinerseits Studenten mit lebendigen Vorlesungen.

Burmeisters Freundschaft zu Alexander von Humboldt ebnet ihm den Weg an die Berliner Universität, an der er 1834 habilitiert. Drei Jahre später berufen ihn die Hallenser als Ordinarius wieder an ihre Universität. Nebenbei bestückt er akribisch die Sammlungen des Zoologischen Museums der Stadt mit zahllosen Exponaten.

Dank der Fürsprache Alexander von Humboldts reist der Stralsunder ab 1850 mehrmals in die südamerikanischen Tropen um seinen Wissensdurst zu stillen. Die reich bestückte Natur des Subkontinents lässt den Naturforscher fortan nicht mehr los und er siedelt 1861 ganz nach Buenos Aires über. Man ehrt den Professor hier mit dem Posten des Direktors am Museo Publico. Dank seines Engagements blüht das Institut in den folgenden 30 Jahren unter seiner Leitung zu einer renommierten Einrichtung auf. Rastlos arbeitet der Direktor und macht das Museum über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Auf zahlreichen Expeditionen durch ganz Südamerika gelingt ihm Beschreibung unzähliger unbekannter Tier- und Pflanzenarten. Viele seiner Funde, sogar ein Gipfel in Spitzbergen, tragen seinen Namen. Seine Wahlheimat studiert er sorgsam, bis der Stoff für eine ganze Landeskunde von Argentinien reicht. Die Liste seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist aber noch weitaus länger: etwa 300 Titel umfasst das Werk des Gelehrten. Fleißig schreibt und zeichnet er seine Eindrücke für die Nachwelt auf. Aber nicht nur Flora und Fauna beschreibt der Wahlargentinier, auch politische Missstände beobachtet und kritisiert er, wie etwa die allseits präsente Sklaverei.

Als wissenschaftlicher Berater der argentinischen Regierung genießt der geborene Vorpommer ein ebenso hohes Ansehen wie als Naturwissenschaftler. Der Präsident des Landes höchstselbst beauftragt ihn an der Universität Cordoba eine naturwissenschaftliche Fakultät einzurichten, deren Leitung Burmeister ebenfalls übernimmt.

Als der große Wissenschaftler 1892 fünfundachtzigjährig stirbt, würdigt ganz Argentinien sein Verdienst mit einem Staatsbegräbnis. Der Präsident selbst schreitet hinter seinem Sarg, und lässt zum Gedenken an den großartigen Forscher ein großes Marmordenkmal errichten.

Auch Mecklenburg-Vorpommern ehrt das Genie: Seine Heimatstadt Stralsund pflegt sein Erbe in der Burmeister-Gedenkstätte in einem gotischen Haus in der Mönchstraße nahe Burmeisters Geburtsstätte. Die Tür im traditionellen Backsteingiebel steht seit 1993 für Gäste offen. Das so genannte „Burmeisterhaus“ lässt die Nachwelt damit am großen Werk eines der letzten universellen Gelehrten des 19. Jahrhunderts teilhaben.

Quellen und Links:
Ewe, H.: Bedeutende Persönlichkeiten Vorpommerns
Grewolls, G.: Wer war wer in Mecklenburg-Vorpommern?
www.meeresmuseum.de/ausstellung/index.htm

 

Fotos:

Deutsches Meeresmuseum Stralsund

 
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