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Tragische Japanfahrt der FRAUENLOB
Preußischer Schoner in diplomatischer Mission sinkt vor Tokio
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Am 18. Oktober 1990 feierte die Stadt Wolgast drei Schiffe der Frauenlobklasse, die erstmalig wieder im Wolgaster Hafen festmachten – nach fast  135 Jahren. In der Werft, der ihr guter Ruf auf allen Meeren vorauseilte, wurde 1851 der erste "Frauenlob" auf Kiel gelegt. Der Schiffbau erlebte in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine wahre Blüte. Nicht nurgroße Handelssegler, sondern auch Kriegsschiffe für die preußische Marine wurden auf Kiel gelegt. Um die nötigen finanziellen Mittel für den Aufbau einer wirkungsvollen Marine aufzutreiben, sammelten die Frauen Preußens in der Mitte des 19. Jahrhunderts für einen Kriegsschoner. Besonders prall gefüllt waren die Klingelbeutel der Wolgasterinnen. Nicht zuletzt deshalb erhielt der stadtbekannte Schiffbaumeister Lübke für seine Werft den Auftrag zum Bau des Kriegsschoners von der Admiralität, der zu Ehren der fleißigen Sammlerinnen den Namen "Frauengabe" tragen sollte.

Nachdem bereits lokale Berühmtheiten wie der Pionier des deutschen Eisenschiffbaus, Rudolf Haak, beim Bau des Schoners mit angepackt hatten, gab sich Admiral Prinz Adalberg von Preußen beim Stapellauf höchstselbst die Ehre. Er verkündete auf Wunsch seines Vaters König Friedrich Wilhelm IV. die Namensänderung des Schoners auf  "Frauenlob", die auch traditionell mit einer Flasche Wein am Bug besiegelt wurde. Am 1. Mai 1856 wurde der umgetaufte Schoner unter dem Kommando von Leutnant zur See I.Kl. Rogge in Dienst gestellt und schon im ersten Jahr stach der Schoner zur Sicherung preußischer Handelsbeziehungen in See in Richtung Atlantik.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts mühten sich die Großmächte um Handelsniederlassungen in China, und um die Öffnung der japanischen Seehäfen für den Weltseeverkehr. Als die Häfen Nagasaki, Kanagawa und Hokadate göffnet werden sollten, entsandte Preußen zum Jahreswechsel 1859/1860 ein Geschwader nach Japan, zu dem auch die "Frauenlob" gehörte. Im Spätsommer 1860 erreichten die Segelfregatte "Thetis", die Dampffregatte "Arcona" und der Wolgaster Schoner die japanische Küste.

Aber noch bevor die Besatzung seine Mission erfüllen kann, gerät das kleine Geschwader vor Yokohama in einen Taifun.  Am 1. September 1860 wird die Situation für den "Frauenlob" bedrohlich. Unter vielen Mühen stellt die erschöpfte Besatzung eine Schleppverbindung mit der "Arcona" her, um den tobenden Wassern zu entkommen. Beide Schiffe arbeiten schwer in der See und die mächtigen Wassermassen bringen die Situation außer Kontrolle. Die Schleppleine bricht. Von da an ist der "Frauenlob" auf sich allein gestellt und verschwindet in den tosenden Wellen. Am Morgen des 2. September ist der Schoner vor der Bucht von Edo (heute Tokio) außer Sicht.

Mit dem Schiff, das einem solchen Taifun nicht gewachsen war, blieben vier Offiziere, ein Arzt und einundvierzig Mann verschollen. Heute erinnern Gedenktafeln in den Marine-Garnisons-Kirchen Kiel und Wilhelmshafen an die vermisste Besatzung.

Die "Arcona" führte die Mission des preußischen Geschwaders zu Ende. Am 4. September ließ der preußische Gesandte in Edo die preußische Flagge hissen. Für den Erfolg für die diplomatischen Beziehungen zwischen Preußen und Japan wurde ein hoher Preis bezahlt, aber dem "Frauenlob" folgten sechs Marineschiffe auf die Helling der Wolgaster Lübke-Werft – und alle blieben vor einem Schicksal, wie es dem "Frauenlob" wiederfuhr, verschont.

 

Quellen und Links:

Stadt Wolgast

 

Foto:

Modell der "Frauenlob", ausgestellt im Museum Wolgast (TMV)

 
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