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Zwischen Ostsee und Adria
Jahrhundertmaler verewigt pommersche Ostseeküste
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Schwankende Boote auf tosender See. Wartende Fischer bangend am Strand. Ein riesiger Christophorus rettet ein Kind vor den unerbittlichen Wellen. Gabriele Mucchi (1899 bis 2002), der Mailänder Jahrhundertmaler verewigte seine Eindrücke von „Menschen im Sturm“ an der Wand der kleinen Fischerkirche in Vitt im nörlichsten Zipfel der Insel Rügen. Seit den 1930er Jahren fühlte Mucchi sich mit Menschen und Wettern der pommerschen Ostseeküste besonders verbunden. Beistand, Hilfe und Gemeinschaft von Fischern und Menschen im Sturm sind Hauptthemen in seinen Werken. Schicksale der Küstenbewohner und ihre Ohnmacht gegenüber der Natur beschäftigten ihn.

 

1979 wuchs in Mucchi die Idee zu einem Bild bei einem Besuch der kleinen Kirche mit den großen Spitzbogenfenstern, siebzehn Jahre nach seiner Gastprofessur für Malerei an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Ausgeführt hat der Italiener seine Ideen allerdings erst 1990 in Acryl auf 400 mal 600 Zentimetern Kirchenwand.

Als „Wanderer zwischen den Welten“ (Mucchi), pendelte der Maler zwischen Mailand, Berlin und auch Greifswald. Er empfand die Ostseeküste als den herberen Gegenpol zur adriatischen Küstenlandschaft seiner italienischen Heimat.

 

Gabriele Mucchi darf als einer der bedeutendsten italienischen Maler des 20. Jahrhunderts gelten. Sein Leben umfaßte das ganze 20. Jahrhundert und ließ Mucchi zum Zeugen nahezu der gesamten Entwicklung der politischen Geschichte wie der modernen Kunst werden.

 

Herausragende Vertreter von künstlerischen Bewegungen wie dem Futurismus, der metaphysischen Malerei oder der Neuen Sachlichkeit gehörten zu seinen Freunden und Bekannten. Im Berlin der 1920er und 30er Jahre, wo Mucchi zeitweilig ein Atelier besaß, begegnete er – persönlich oder in ihren damals hochaktuellen Bildern - George Grosz, Otto Dix, Max Beckmann, Käthe Kollwitz oder Karl Hofer.

 

Mit Brecht, dessen „Leben des Galilei“ Mucchi 1957 illustrierte, verband Mucchi die Suche nach einer realistischen künstlerischen Ausdrucksform: „Die realistische Malerei“, so lautete Mucchis Forderung, „stellt die Wirklichkeit der Dinge und der Geschehnisse dar, aber so, daß mit dieser Darstellung ein Urteil über das menschliche Wesen und über das Leben der Menschen – als ethische, soziale Kategorie – gegeben wird.“ Nachdem Mucchi bereits in Italien zusammen mit Renato Guttuso und anderen Künstlern den „Neuen Realismus“ (Nuovo Realismo) begründet hatte, stellte er nun sein künstlerisches Wirken unter anderem an der Universität Greifswald in den Dienst der jungen DDR, deren dogmatische Erstarrung auf dem Gebiet der Kunst er hoffte, aufbrechen zu können.

 

Mucchis herausragende Bedeutung für die Malerei und für Mecklenburg-Vorpommern bot neben dem 550. Gründungsjubileum den Anlass für eine umfassende Werkschau mit über 200 Gemälden und Graphiken. Im Vineta-Museum der vorpommerschen Stadt Barth ist eine Vielzahl von wertvollen Originalen zu bewundern, die seine Witwe, Susanne Mucchi dem Museum zusammen mit weiteren Leihgebern zur Verfügung gestellt hat. Bis zum 29. Oktober sind die Meisterwerke in der Sonderausstellung zu bestaunen, die das Museum gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Greifswald und einer studentischen Projektgruppe realisierte. Auch die Vorstudien zur Ausmalung der Fischerkapelle von Vitt auf Rügen finden Besucher unter den Ausstellungsstücken.

 

Quellen und Links:
M. Ehler, M. Müller (Hg.): WIRKLICH... WAHR. Berlin 2006
Vineta-Museum Barth

 

Fotos:

Susanne Mucchi in der Ausstellung des Barther Vineta-Museums

Skizzen zum Wandgemälde "Menschen im Sturm" im Vineta-Museum

 
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