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Grüner Tee im Roten Pavillon
Ein Hauch von Chinoiserie in Mecklenburg-Vorpommern
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In Mecklenburg-Vorpommern geschehe alles fünfzig Jahre später, so soll Reichskanzler Bismarck einst konstatiert haben. Tatsächlich traf auch die Chinoiserie des 18. Jahrhunderts an der Ostsee erst verspätet ein. Großherzog Friedrich Franz I. zu Mecklenburg-Schwerin ließ Anfang des 19. Jahrhunderts am Kamp, im Herzen Bad Doberans zwei Pavillons nach chinesischem Vorbild errichten.

Kein geringerer als der bedeutende Architekt Carl Theodor Severin entwarf die beiden achteckigen Teehäuser. Der Rote Pavillon entstand 1809, sein weißes Gegenüber, zweigeschossig und stilvoll mit Säulen umgeben, erst 1813. Friedrich Franz I. und sein Gefolge nutzen ihn als Musiksaal. Seit 1976 empfängt der hübsche klassizistische Bau mit chinesischem Touch als Restaurant und Café seine Gäste. Im Turmzimmer lässt sich noch heute so fürstlich speisen wie zu Zeiten von Friedrich Franz. Auf Wunsch wird sicher auch chinesischer grüner Tee serviert. Der Rote Pavillon mit dem geschwungenen Dach beherbergt heute die Galerie des gleichnamigen Kunstvereins. Regelmäßig stellen Künstler aus der Region in dem historischen Oktogon aus.

Noch viel später erreichte die Kunstrichtung, die sich an Vorbildern aus China orientierte, das Landesinnere. Mecklenburg-Strelitz wollte dem benachbarten Herzogtum in nichts nachstehen. Großherzog Georg ließ deshalb 1821 von dem Schinkelschüler Friedrich Wilhelm Buttel einen chinesischen Pavillon errichten. Direkt am Rande des Zierker Sees liegt das hölzerne Kleinod, das seine Durchlaucht selbst vermutlich nie von innen sah, fungierte es doch als Spülhaus für die herzogliche Wäsche. Heute steht der Pavillon unter Denkmalschutz und ist neben den beiden Pavillons in Bad Doberan das einzige in Mecklenburg-Vorpommern erhaltene Bauwerk im Stile der Chinoiserie.

Wer sich für asiatisch angehauchte Baukunst interessiert, sollte unbedingt auch den Koitempel in Lelkendorf besuchen, errichtet von Koiliebhaber Martin Scholz. Die Gesellschaft der bunten Fische lässt sich auch etwas länger genießen: im Dachgeschoss befindet sich eine gemütliche Ferienwohnung.

 

Quellen und Links:

 

Weißer Pavillon

Roter Pavillon

Pavillon Neustrelitz

Bad Doberan

Neustrelitz

 

Foto:

Bild 1: Pavillons in Bad Doberan (Foto: TMV/werk3)

Bild 2: Wäschespülhaus in Neustrelitz, erbaut 1861 von Friedrich Wilhelm Buttel am Zierker See (Landesamt für Denkmalpflege)

 
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