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Weihnachtspäckchen aus Schweden
Vor 200 Jahren beschenkte man polternd die Nachbarn

„Huuch Julklapp!“ ruft es unerwartet, dann poltert es und eine Tür knallt zu. Auf der Suche nach der Ursache des Geräusches, stößt man auf ein Paket, das mit der eigenen Adresse versehen ist und das in Form und Verpackung seltsam anmutet.

 

Der Empfänger reißt das eng geschnürte Päckchen auf, und stößt  erneut auf ein versiegeltes Paket, adressiert an eine Person aus der Nachbarschaft. Ebenso unerkannt muss nun der Empfänger das Paket ins Haus der Zielperson werfen, dabei laut „Huuch Julklapp“ rufen und schleunigst verschwinden bevor er entdeckt wird. Auf diese Weise wechselt das Paket noch einige Male seinen Besitzer, um endlich bei demjenigen anzukommen, dessen Name die innerste Verpackung ziert. Die (Schaden-)Freude liegt bei diesem Brauch allerdings nicht beim Beschenkten, sondern beim Schenkenden, nämlich wenn letztlich komische oder hässliche Dinge zum Vorschein kommen.

 

Deshalb war das Julklapp werfen vor etwa 200 Jahren besonders unter Jugendlichen eine Gelegenheit für Schabernack und Neckerei. Wie ein vorweihnachtlicher Spuk kursierte dieses Treiben in den Dörfern Mecklenburgs und Vorpommerns. Und dabei handelt es sich um einen waschechten Kulturimport aus Schweden. Dort kam der Brauch Ende des 17. Jahrhunderts auf. Durch die regen Handelskontakte und die schwedische Besatzung von 1648 bis 1815 gelangte er auch nach Mecklenburg und Vorpommern. Das „Julklappen“ war in Vorpommern, auf Rügen und auf Usedom sogar bis in die 1930er Jahre bekannt.

 

Der Name ist abgeleitet aus dem schwedischen „klappa pa dören“, also „an die Tür klopfen“. Die Mecklenburger und Vorpommern machten daraus „wat in die Julklapp smiten“. Nicht nur der Name, sondern auch der Brauch selbst wurde mit der Zeit leicht abgewandelt. So wurden später in manchen Orten Päckchen am Heiligen Abend im Festzimmer überreicht und statt der wechselnden Anschriften mit Hinweisen zum Suchen des eigentlichen Geschenks versehen. Dann konnte die Überraschung schon mal im Garten oder im Hühnerstall liegen. Die Funktion des Brauches hatte sich damit nicht verändert, Julklappen sollte Witz und Laune in das sonst eher besinnlich Fest hineinbringen.

 

Haustüren sind heute verschlossen und Nachbarn nicht mehr eng befreundet, deshalb ging der schwedische Brauch langsam verloren. Dennoch: Geschenke zu Weihnachten kommen nie aus der Mode – warum also “Julklapp” nicht einmal aufleben lassen und laut und lustig die Anwohner beschenken?

 

Quelle:

Henry Gawlick: „Schimmelreiter, Knapperdachs und Weihnachtsmann“ Weihnachtsbräuche in Mecklenburg und Vorpommern; Hinstorff-Verlag; Rostock 1998

 
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