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Rüganer gräbt sich quer durch Schweden
Vorpommerscher Held errichtet Jahrtausendbauwerk
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Ein schlauer Rüganer ersparte den Schweden einen Haufen Geld. Das Land am Kattegat verdankt seine berühmte Wasserstraße der Kreativität und dem Ehrgeiz Baltzar Bogislaus von Platens. Der Spross einer Rügener Adelsfamilie ließ Anfang des 19. Jahrhunderts den Götakanal durchs Land graben und ersparte den Schiffen so den teuren Wegezoll.

 

Im Mai 1766 auf einem Gut nahe Schaprode geboren, verschlug es den dreizehnjährigen Baltzar an die Kadettenschule Karlskrona nach Südschweden. 1788 kämpfte er für Schweden in der Schlacht bei Hogland und geriet in russische Gefangenschaft.

 

Im Jahre 1801 übernahm der Admiral die Leitung des Trollhätte-Kanals. Die Wasserstraße verbindet seit 1779 Schwedens Westküste mit dem Vänersee im schwedischen Binnenland. Während seiner Archivstudien fand Platen Entwürfe und Skizzen eines Kanals, der sogar bis an die Ostküste reichen sollte. Sofort erkannte er die wirtschaftliche und strategische Bedeutung und begann die Ideen umzusetzen: „Nahm eine Kart' von Schweden,/ zog einen Strich so blau/ von Osten bis nach Westen...“ dichtete ein unbekannter Verfasser um 1880.

 

Der spätere Götakanal verkürzte nicht nur den Wasserweg zwischen den westlichen und östlichen Landesteilen Südschwedens, sondern ersparte den schwedischen Schiffen auch den dänischen Zoll, der im südlichen Öresund anfiel und den Schweden, wie auch Admiral von Platen ein Dorn im Auge war. Auf eigene Faust und Kosten erkundete er die Strecke und reichte 1806 eine Abhandlung bei Gustav IV. Adolf ein. Zwei Jahre später gab der schwedische König den Startschuss für das Projekt und übertrug dem Initiator Baltzar von Platen die Leitung. Der gebürtige Rüganer stieg binnen kurzer Zeit zum Staatsrat und zum Reichstatthalter in Norwegen auf und forcierte mit Ehrgeiz und eisernem Willen seinen Bau. Mit dem Knüppel, so heißt es im Gedicht, soll er an die sechzigtausend Arbeiter vorangetrieben haben.

 

Nur den Westabschnitt des Kanals erlebte von Platen in Nutzung. Der Abschnitt zwischen Vätternsee und Ostküste wurde erst 3 Jahre nach seinem Tode 1832 fertig gestellt. Zu Grabe trugen die Schweden ihren der Kanalbauer in Motala, der Stadt am Ufer seiner Wasserstraße, deren Pläne auch seiner Feder entsprangen.

 

68 Jahre lang passierten Schiffe die 58 Schleusen und konnten so fast mühelos 91,8 Meter Geländehöhe überwinden. Heute ist das schwedische Jahrtausendbauwerk, wie Zeitungen den Kanal im Jahr 2000 titulierten, eine Touristenattraktion. Die Fertigstellung des Kanals jährt sich übrigens in diesem Jahr zum 175. Mal. Wer an den Festivitäten entlang der Riesenwasserstraße teilnehmen möchte, den laden Kanaldirektor Claes-Göran Österlund und seine Mitarbeiter herzlich ein. 2,5 Millionen Besucher zieht „Schwedens längstes Abenteuer“ jährlich an und erinnert an seinen heldenhaften Architekten. „Noch heute, wenn die Schiffe/ passieren bei dem Grab,/ dann gibt die Schiffssirene/ laut ihren Gruß ihm ab.“

 

Noch heute leben Familienmitglieder des berühmten Baumeisters auf der Ostseeinsel Rügen. Wer sich die Erfolgsgeschichte des Kanalbauers lebendig von ihnen erzählen lassen möchte, kann sich auch direkt bei Familie von Platen in einer der Ferienwohnungen auf Gut Reischvitz einquartieren.

 

Quellen und Links:

Göta kanal

 

Fotos:

1. Baltzar von Platen (AB Göta kanalbolag)

2. Kanaldirektor Claes-Göran Österlund in historischer Uniform 

    (AB Göta kanalbolag)

3.-5. Kanalansichten (AB Göta kanalbolag)

 
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