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Interkulturelles Meisterwerk in Güstrow
Internationale Baumeister prägten die Schlossarchitektur
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Kulturimport aus Italien erfolgt in Mecklenburg-Vorpommern bei Weitem nicht nur über italienische Modelabels. Das Schloss Güstrow ist einer der bedeutendsten Prachtbauten, die die Einflüsse der italienischen, niederländischen und französischen Architektur auf die mecklenburgische Baukunst reflektieren.

Auf den ersten Blick wirkt das Güstrower Schloss recht verträumt. Es thront vor dem Schlossteich, an dessen Ufern die ins Wasser ragenden Weidenzweige Melancholie vermitteln. Bei näherem Hinsehen eröffnet sich dem wachen Geist aber eine lebendige Vergangenheit. Der Renaissancebau aus dem 16. Jh. verpasst der sonst eher klassizistisch geprägten Stadt, das architektonische i-Tüpfelchen.

Von 1558-67 gestaltete der aus der Lombardei stammende Baumeister Franziskus Parr und später der Niederländer Philipp Brandin eine halb niedergebrannte Burg zu einem der prunkvollsten und hochwertigsten Schlossbauten Norddeutschlands. Parr wurde vom Herzog Ulrich von Mecklenburg nach dessen Amtsantritt 1557 mit dem Bau der Süd- und Westflügel beauftragt, deren Architektur an die seiner Heimat erinnert. Von 1587 bis 1588 schuf Brandin den Nordflügel nach klarer und strenger niederländischer Manier. Sein Assistent Claus Midow umschloss den Innenhof mit dem Bau des Ostflügels 1594. Beendet wurden die Arbeiten erst 1671 durch die Errichtung des Torhauses vor dem Westflügel durch den Franzosen Charles Philippe Dieussart.

Der Herzog war nach einer Italienreise von der mediterranen Baukunst hoch beeindruckt. Die Dominanz italienischer Elemente aus Kunst und Architektur in seinem Prachtbau sollten die Macht des Herzogs und seinen Herrschaftsanspruch über Mecklenburg nachdrücklich unterstreichen. Die Türmchen, Eckausbildungen und plastischen Wandgliederungen geben dem Schloss außerdem bis heute einen französischen Touch, der an die Loire-Schlösser erinnert.

Von 1628 bis 1629 residierte Albrecht von Wallenstein als neuer Herzog von Mecklenburg in dem Gebäude. 1712 fanden während des Großen Nordischen Krieges die Waffenstillstandsverhandlungen, zwar nicht im Schloss, aber in einem historischen Haus am Markt statt. Noch heute gibt eine Tafel dazu Auskunft. An den Verhandlungen waren unter anderem denen Zar Peter I. von Russland, der schwedische General Steenbock und August der Starke beteiligt.

Die Schlossarchitektur spiegelt neben der italienischen und französischen auch die niederländische und die deutsche Kunsttradition wieder. Heute versprüht das imposante Gebäude italienisches Flair, die Unvollendetheit des Baus macht die geschichtsträchtige Vergangenheit der kleinen Stadt erfahrbar. Zusammen mit Garten, Brücke und Torhaus, zählt das Schloss zu den bedeutendsten und schönsten Renaissancebauten Norddeutschlands. Wer sich von den kulturellen Verschmelzungen im und am Schloss verzaubern lassen möchte, kann sich von April bis Oktober täglich von 09:00 bis 17:00 Uhr, während der Wintermonate von Dienstag bis Sonntag auf Entdeckungsreise begeben.

 

Quellen und Links:

Schloss Güstrow

Tourismusverband Mecklenburgische Schweiz

Skerl, Grundner: Schlösser und Gärten in Mecklenburg-Vorpommern. Hinstorff 2003

 

 
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