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Ribnitz liefert Stoff für Comic-Serie
Feininger verewigt Vorpommern in Kunstwerken und Comics
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1906. Sonntag für Sonntag schreibt die Chicago Tribune über eine Kleinstadt in Vorpommern. Comic Held Willie Winkie huscht zwischen Häuschen umher, die ihm mit ihren Fensteraugen zuzwinkern und mit ihren Türmündern anlächeln. Den bunten Haufen kleiner Häuser beäugt wachsam der Glockenturm der Stadtkirche St. Marien in der Rolle der Aufseherin. Kein Geringerer als Lyonel Feininger (1871-1956) zeichnete diese Comics 1905, denen er das Stadtbild von Ribnitz zugrunde legte und in die er die Charakteristika der Stadt an der Ostseeküste meisterhaft einband. Ein Jahr später präsentierte die Chicagoer Sonntagszeitung sie in der Comic-Serie „Wee Willie Winkies World“.

Einige der schönsten Wochen seines Lebens verbrachte der deutsch-amerikanische Maler zusammen mit seiner zukünftigen Frau Julia an der Ostsee. Von der märchenhaften Idylle der Kleinstadt fasziniert, verewigte er das heutige Ribnitz-Damgarten und das Küstenland in über zwanzig Arbeiten. Hier fand er seinen typischen Stil mit der Architektur als dominantem Bildmotiv und den kristallinen Formen. Julia Feininger bedauerte ebenso wie der Künstler selbst, dass der inspirierende Ort so weit entfernt lag: „Ach, und unser liebes Ribnitz ... War auch eine Märchenstadt und liegt in märchenhaft weiter Ferne.“ (Julia Feininger in einem Brief an Lyonel, Oktober 1905)

Feininger verlebte ganze Sommer in der Ostseeregion, begeistert von der Baukunst ihrer alten Städte. Bereits 1892 pilgerte er das erste Mal nach Rügen. Noch Jahrzehnte später sehnte er sich nach dem Meer: „Pommern und die Ostsee waren für mein ganzes Schaffen mitbestimmend und ich zehre noch jetzt an den Erlebnissen, die ich dort hatte. Hier gibt es nichts, was damit zu vergleichen wäre.“ (Lyonel Feininger, New York, 1951)

Geboren in New York, zog es Lyonel Feininger später nach Paris, danach nach Berlin. Er arbeitete als Illustrator und Karikaturist in Berlin und wurde 1919 von Walter Gropius zur Gründung des Staatlichen Bauhauses nach Weimar berufen. Anschließend siedelte er nach Dessau. Unter dem Einfluss der Nationalsozialisten emigrierte er 1933 mit seiner Frau Julia Feininger wieder in die USA. In seiner Geburtsstadt New York arbeitete Feininger fortan als freier Maler.

Ein Zeugnis der Verehrung Feiningers für Ribnitz-Damgarten ist die Radierung „The Gate“ von 1912, eines der wichtigsten Werke des deutsch amerikanischen Malers. Abgebildet ist das Rostocker Tor in Ribnitz. Seit 2006 hängt „The Gate“ als Originaldruck ganz nah bei seinem Modell in Ribnitz-Damgarten. Zwei weitere Drucke sind weit entfernt in bedeutenden amerikanischen Museen zu bewundern. Damit hüten die National Gallery of Art in Washington, das Museum of Modern Art in New York und der Kunstverein Ribnitz-Damgarten ein Schlüsselwerk Feiningers als gemeinsamen Schatz.

Der Verein ehrt den berühmten Besucher der Stadt mit Ausstellungen, Vorträgen, Symposien und Publikationen. Wer die Chicago Tribune Comic-Serie „Wee Willie Winkies World“ nachlesen möchte, kann auch das in der Galerie im Kloster in Ribnitz-Damgarten tun. Die Galerie arbeitet Werk und Wirken Lyonel Feiningers in der Ostseeregion auf, konfrontiert sie mit Werken anderer Künstlerpersönlichkeiten und lässt sie damit in neuem Licht erscheinen.

Die Galerie im Kloster des Kunstvereines Ribnitz-Damgarten ist erste Adresse für alle, die sich  für die Musik Lyonel Feiningers oder für Literatur über ihn interessieren. Ein großes Sortiment an Katalogen und Fachbüchern zum Leben und Schaffen des Künstlers, selbst Musik-CDs mit Aufnahmen seiner Kompositionen und sein selbst entworfenes Briefpapier, sind in der Galerie erhältlich. Die Türen der Klostergalerie stehen Besuchern dienstags bis sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr offen.

Das Staatliche Museum Schwerin widmet dem Künstler vom 18. Mai – 5. August 2007 die Ausstellung "Vom Sujet zum Bild". Im Anschluss, vom 19. August bis 28. Oktober 2007, wird sie außerdem im Pommerschen Landesmuseum präsentiert.

Quellen und Links:

Galerie im Kloster des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten
Who's Who

Lyonel Feininger Galerie

Fotos:
Rostocker Tor in Ribnitz-Damgarten
(Bilder 1,4,5, Amt für Wirtschaft und Tourismus)

 

Lyonel Feininger, "The Gate", 1912, Kaltnadelradierung
Sammlung der Stadt Ribnitz-Damgarten
c VG Bild-Kunst, Bonn 2007

 

Galerie im Kloster des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten (Kunstverein)

 
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