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Japanische Botschafterin in Mecklenburg
Satoko Kojima bringt fernöstliches Flair an die Ostseeküste
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Blitzschnell sausen Satokos Finger über die Tastatur. Auf dem Bildschirm ihres Laptops erscheinen Schriftzeichen, die für die meisten Deutschen nur anmutig aussehen. Satoko versteht sie alle. Sie übersetzt die Beiträge auf der Internetseite des Toursimusverbandes Mecklenburg-Vorpommern ins Japanische. Was für uns so schwierig aussieht, ist für Satoko die leichteste Übung: Die Studentin kommt aus Yokohama. Schon seit drei Jahren ist sie in Mecklenburg-Vorpommern und ihr größter Wunsch ist hier zu bleiben.

Von Reitaku nach Rostock
Satoko weiß, was sie will und nutzt ihre Chancen, die Ziele genau vor Augen. Ihre Liebe zu Europa entdeckte die Japanerin in der Schule. Deutsch gelernt hat sie damals noch nicht, aber ein Schüleraustausch nach Wien hat bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Ich hatte Glück, einen Platz zu bekommen. Die Reise war der Schlüssel zu meiner Zukunft,“ sagt Satoko. Tatkräftig feilte sie seit dem an ihrem Traum einmal in Europa zu wohnen. So gut hat es ihr gefallen, dass sie gleich nach der Highschool Deutsch studierte.  In Japan war sie glücklich, ist mit einer Schwester in einer ganz normalen Familie in Tokio aufgewachsen. Trotzdem zog sie das europäische Leben an und sie begann ein Deutschstudium an der japanischen Reitaku-Universität. „Im ersten Semester haben wir ganz klein angefangen: das Alphabet und deutsche Klischees kennen gelernt und Fachliteratur auf Japanisch gelesen. Das Niveau war ein ganz anderes.“ In Rostock beschäftigt man sich mit tieferer Germanistischer Linguistik, das macht Satoko mehr Spaß. Während ihres ersten Studiums in Japan war sie 2000 wieder in Deutschland. Zwei Semester lang arbeitete sie in Halle ehrgeizig an ihrer Sprachpraxis, übte mit Wasser gurgelnd bis zum Umfallen das deutsche r. Zusätzlich besuchte sie Sprachkurse an der Humboldt-Universität in Berlin und an der Bauhaus-Uni in Weimar.

Übersetzen Japanisch-Plattdeutsch
Satokos Mühe hat sich gelohnt. Ihr Fleiß und Ehrgeiz haben sie ihrem Traum ein ganzes Stück näher gebracht. Nach dem ersten Studium kam sie nach Mecklenburg-Vorpommern. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft bot der fleißigen Germanistin ein Praktikum bei einer Rostocker Firma an. Satoko griff zu und war 2003 wieder in Deutschland. Auf der Internationalen Gartenbauausstellung arbeitete die sympathische Studentin im Japanischen Garten. „Ich war fasziniert von Rostock und wollte gern hier bleiben.“ Deshalb entschied sie sich für ein zweites Studium an der Universität der Hansestadt. Mit ihren Mitstudenten saß Satoko anfangs viel zusammen und hat gelernt. „Ich hatte viel Unterstützung von den Kommilitonen im Wohnheim." Mittlerweile ist das Sprachtalent  studentische Hilfskraft und lernt sogar Plattdeutsch, eine Mundart, die nicht einmal Einheimische beherrschen. Gern gibt Satoko ihr Wissen weiter. Sie betreut japanische Studenten, für die Deutschland buchstäblich noch Neuland ist, hilft ihnen bei  Wohnungssuche, Bankgeschäften und anderen alltäglichen Kleinigkeiten.

Einsatz für Städtepartnerschaften
Finanzielle Unterstützung bekommt die ehrgeizige Studentin von ihren Eltern. Trotzdem hat Satoko viele Nebenjobs. „Meinen Urlaub möchte ich mir schon allein verdienen und weitgehend selbstständig sein“, sagt sie. Sie leitet eine Arbeitsgemeinschaft an einem Rostocker Gymnasium, lehrt Japanisch an der Volkshochschule und übersetzt Webseiten. Für die Stadt Waren ist Satoko als Dolmetscherin unterwegs, begleitete 2005 sogar als Übersetzerin eine Warener Delegation in die Partnerstadt Rokkasho. Sie steht als ständiger Kontakt für die Partnerstädte zur Verfügung. Außerdem führt Satoko japanische Touristen durch die Stadt Rostock. Dann hilft sie auch gern, wenn alltägliche Dinge zu übersetzen sind. So stand Satoko einem herzkranken japanischen Besucher im  Krankenhaus zur Seite.

„Für Heimweh habe ich keine Zeit.“
Wenn Satoko Zeit findet, geht sie gern mit ihrer besten Freundin schwimmen. Sie schreibt auch leidenschaftlich gern Briefe an ihre Freunde in ganz Europa. „So habe ich auch gar keine Zeit für Heimweh,“ sagt sie. „Meine Eltern halten mich auch nicht zurück. Sie vertrauen mir und kontrollieren mich nicht. Aber wir e-mailen und telefonieren oft.“ Hier in Mecklenburg-Vorpommern hat Satoko eine Ersatzfamilie gefunden. Die hat sie herzlich aufgenommen, als sie nach Rostock kam und noch heute hält sie den Kontakt und verbringt  Feiertage wie Weihnachten und Ostern bei ihren „Zweiteltern“. „Nach Japan zu fliegen ist einfach zu teuer,“ gesteht Satoko. Dafür geht sie oft mit ihren Landsleuten weg. Ein bisschen japanisches Flair schafft die Studentin auch in Mecklenburg. Spannend und außergewöhnlich war für viele Rostocker der Japanabend im Sommer 2005, den Satoko mit ihren Freunden im Hauptgebäude der Universität organisierte. Sie selbst hatte den großen Besucheransturm gar nicht erwartet: 200 Gäste ließen sich von japanischer Kultur und Sprache begeistern. Mit hochinteressanten Vorträgen über japanisches Essen, Freizeit und typische Kleidung informierten die Gaststudenten die  wissbegierigen Zuhörer. Bei einem Quiz über Japan lernten die erstaunten Gäste, dass man im fernen Osten sogar ebenso gern Bier trinkt wie in Deutschland.

Eisbein statt Kulturschock
Nach so langer Zeit hier in Rostock gibt es doch bestimmt Dinge, die Satoko sehr vermisst. Die Japanerin schüttelt zuerst spontan den Kopf. Dann fällt ihr ein Bohnengericht ein, das Sie hier nicht kochen kann, weil sie die Zutaten schlecht bekommt. Sie mag aber auch die Mecklenburger Küche, isst auch gern mal ein deftiges Eisbein. Zu Hause, in ihrer kleinen Wohnung in der östlichen Altstadt kocht Satoko aber oft wie in ihrer Heimat. „Sushi gibt es öfter mal,“ sagt sie.

 

Einen Kulturschock hatte die Japanerin nicht, als sie nach Deutschland kam. Vieles ist in Japan sehr ähnlich. Ostereier sucht man im Land der aufgehenden Sonne zwar nicht, aber Weihnachten feiert man auch als das Fest der Liebe und Pärchen tauschen Geschenke aus. „Einiges ist bei uns aber doch anders,“ erklärt Satoko. „In meiner Heimat handeln die Menschen mehr im Kollektiv. Es ist wichtig das Gesicht zu wahren, andere nicht bloßzustellen. Außerdem sind die Japaner viel höflicher.“ Selbst die Verbeugung, ein Überbleibsel aus der Samuraizeit, wird als Begrüßung noch immer praktiziert. Satoko gesteht, dass sie hier nicht gern zum Friseur geht. In Japan sei man beim Haareschneiden behutsamer, würde auf Kleinigkeiten viel mehr eingehen. Das sind aber Dinge, die Satoko nichts ausmachen. Viel zu viel Gefallen findet sie an Mecklenburg-Vorpommern, Rostock und der Ostsee. „Rostock ist für mich wie ein Museum, wo ich auf meinem Fahrrad jeden Tag neue historische Sehenswürdigkeiten entdecke“, schwärmt sie. „Mir gefällt, dass die Stadt nicht so groß ist wie Tokio und ich mag das Meer. Ich möchte sehr gern hier bleiben,“ sagt die 25-Jährige.

Mit Satoko lernen acht Japanische Studenten an der Universität Rostock. Die meisten sind für ein Jahr hier. Auch wenn es ihnen hier gefällt, so richtig verwurzelt ist wohl nur Satoko mit ihrer Wahlheimat Mecklenburg-Vorpommern. Viel trägt sie zur Deutsch-Japanischen Freundschaft bei. Wann immer Besucher aus Japan sich in der Hansestadt Rostock oder in Waren an der Müritz umschauen möchten, Satoko empfängt sie herzlich im Namen von ganz Mecklenburg-Vorpommern und bringt ihnen als echte Kennerin die „meckelbörgsche“ Kultur näher. Mit den Hilfe der von Satoko übersetzten Webseiten werden vielleicht einige ihrer Landsleute zu einem Besuch in Mecklenburg-Vorpommern inspiriert und sind hoffentlich ebenso interessiert an der mecklenburgischen Kultur, wie die Mecklenburger an der fernöstlichen.

 

Links:

djg-rostock.de

djg-berlin.de

daad.de