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Mecklenburger Hengst im Dienst Napoleons
Berühmter Deckhengst macht in Frankreich Geschichte
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1806. Der Schimmel Herodot verharrt in einer tausendjährigen Eiche. Hier versteckt, soll er der Beschlagnahme durch Napoleons Truppen entgehen. Der begehrte Deckhengst war Pascha einer ganzen Stutenherde des Gestütes Ivenack in Mecklenburg, dessen tadelloser Ruf bis ins ferne Paris drang. Napoleon ließ, nachdem er in Mecklenburg einmarschiert war, die Prachtexemplare beschlagnahmen, um seine eigene, als eher dürftig geltende Pferdezucht aufzuwerten.

Die Soldaten hatten die Stuten schnell im Griff, Herodot aber war rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden. Allerdings fühlte sich der Schimmel so zu seiner Stutenherde hingezogen, dass er wieherte und sein Versteck verriet, als man die Pferdedamen an der Eiche vorbeiführte. So war anscheinend auch der wertvolle Deckhengst für das Gestüt verloren.

Herodot soll Gerüchten zufolge eine beachtliche Karriere gemacht haben. So soll er die Kaiserin Josephine auf seinem Rücken getragen haben. Man sagt, er soll auch Schlachten mit Napoleon geschlagen haben, der offenbar eine wahre Faszination für den Ivenacker Schimmel entwickelte.

Das Kriegsende erlebte Herodot auf französischem Boden und er schrieb in der Tat ein Stückchen Weltgeschichte mit. 1815 holte sich nämlich der Feldmarschall von Blücher am Rande des Wiener Kongresses die Bestätigung ein, Herodot nach Mecklenburg zurückbringen zu dürfen. Im Hafen von Marseille sei das Prachtstück historischen Quellen zufolge dann mit einem persönlichen Ermächtigungsschreiben des Feldmarschalls beschlagnahmt und bis nach Hause zurück geritten worden.

Die Geschichte des Gutes Ivenack begann 1709, als Geheimrat von Koppelow die Besitzung erhielt. Später wurde es an Burchard Hartwig von Maltzahn-Cummerow vererbt, der den Titel eines Grafen von Plessen annahm. Die berühmte Ivenacker Zucht begründete offenbar Burchard Hartwig von Plessen, der 1785 den Hengst Morwick Ball und die Stute Herodias für die erfolgreiche Zucht aus England erwarb.

Noch heute erinnert eine Büste am Giebel des Marstalls in Ivenack an den wohl berühmtesten Nachkommen der beiden Zuchtpferde, den es bis nach Frankreich verschlagen hatte. Die gesamte so genannte Franzosenzeit, in der die napoleonischen Truppen Mecklenburg besetzten, können Interessierte im Schlossgewölbe in Stavenhagen Revue passieren lassen. Selbstverständlich ist hier auch ein Bild von Herodot zu bewundern. Er wurde übrigens trotz oder wegen seines wechselvollen Pferdelebens 35 Jahre alt und soll unter einer der tausendjährigen Ivenacker Eichen begraben worden sein.

Quellen und Links:
Gründel, Horst: 175 Galopprennsport in Bad Doberan, Edition Temmen Rostock 1997

Galopprennbahn Bad Doberan
Fritz-Reuter-Literaturmuseum Stavenhagen


Foto:

Lithografie des Herodot
(mit freundlicher Genehmigung des Fritz-Reuter-Literaturmuseums)

Das Original befindet sich in der Ausstellung "Franzosenzeit in Mecklenburg" des Fritz-Reuter-Literaturmuseums Stavenhagen

 
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